Kolumne

Gräfendorf – ein langer Weg zur „Bayrischkeit“

Von: Sebastian Herbst

Es gibt ja nach wie vor größere und kleinere Spaltungen zwischen den Bayern und den Franken. Franken solle sogar von Bayern wieder unabhängig werden, heißt es da sogar von den ganz Extremen. Gräfendorf kann man wohl als eine der letzten Hochburgen dieser ganz harten Ansicht sehen, oder nicht?

Rund um Gräfendorf befindet sich herrliche Natur (hier: Tretstein Wasserfall), gut, dass es zu Bayern gehört… – Foto: Rainer Lippert

Nunja, hören wir einmal auf mit den Unterstellungen 😉 Richtig ist, dass sich Gräfendorf, was die Eingliederung nach Bayern betraf, nicht gerade beeilte. Erst zehn Jahre nach dem von Napoleon 1803 losgetretenen Entschädigungsverfahren für die Gebiete, die er sich links des Rheins zu Eigen gemacht hatte, stand man hier unter der Herrschaft des bayerischen Königs.

Das lag aber nicht daran, dass man in Gräfendorf seit jeher eine tief verwurzelte Feinschaft zu Bayern pflegt, sondern an der Tatsache, dass sowohl das Fürstentum Aschaffenburg als auch Thüringen noch Rechte an dem Ort besaßen. Erst 1813 konnte man hier ein Übereinkommen treffen, Gräfendorf wurde endgültig bayerisch.

Aufgrund der drei Barockkirchen in den Ortsteilen Michelau, Schonderfeld und Wolfsmünster sowie dem 1584 erbauten Thüngenschloss ist Gräfendorf trotz seiner gerade einmal knapp 1.400 Einwohnern immer einen kulturellen Besuch wert. Vor allem bietet sich das in Verbindung mit einer Unterkunft in Gemünden am Main, einem der Partner der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft, zu der auch Gräfendorf gehört, an. So kann man bequem die gesamte Umgebung erkunden.

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