Kolumne

Tanzende Hexen auf dem Walberla in Oberfranken

Von: Karola Schmitt

In der Nacht zum 1. Mai sollen sich der Legende nach alle Hexen auf ihre Besen schwingen und auf gewisse Berge fliegen, um dort ausgelassen zu feiern und zu tanzen. Der berühmteste aller Hexentanzplätze in Deutschland ist die höchste Erhebung des Harzes, der Brocken, der volkstümlich auch Blocksberg genannt wird.

Walpurgisnacht auf dem Walberla

Treffpunkt der Hexen in der Walpurgisnacht: das Walberla – Foto: Alma

Das Walberla in Franken war für unsere Vorfahren der Sitz ihrer Götter. Deshalb errichteten sie dort eine heilige Stätte, an der sie ihre Rituale zelebrierten. Als die christlichen Missionare ins Land zogen, zerstörten sie alle heidnischen Kultplätze, damit die Menschen ihre alten Riten nicht mehr durchführen konnten. Stattdessen errichteten sie Kapellen. Eine Sage besagt, dass auf dem Walberla die Heilige Walburga diese Aufgabe übernahm. Da sie es aber alleine nicht schaffte, holte sie alle auf dem Walberla lebenden Hexen zur Hilfe herbei. Als Gegenleistung sagte sie den Hexen zu, dass sie sich auch nachdem der Berg Gott geweiht war, einmal im Jahr zum Hexentanz auf dem Walberla treffen dürfen. Als Termin legte sie die Nacht zum 1. Mai fest, die Walpurgisnacht.

Bräuche zur Walpurgisnacht

Die Walpurgisnacht feszinierte schon immer, auch zahlreiche Künstler, wie hier ein Kupferstich von W. Jury

Nicht nur auf dem Walberla, sondern auch in zahlreichen Dörfern und Städten, wird noch heute am Vorabend zum 1. Mai das Maifeuer entzündet und bis tief in die Nacht hinein gefeiert. Diese Veranstaltungen werden vielerorts als Maisprung bezeichnet, wobei der Brauch, über das nicht mehr so hoch lodernde Maifeuer zu springen, noch immer üblich ist. Traditionell wird während der Feierlichkeiten oder tags darauf der Maibaum aufgestellt. Im Schutze der Dunkelheit treiben vor allem Jugendliche gerne Schabernack indem sie Gartentüren aushängen, Mülltonnen umstellen oder sich andere Späße ausdenken.

Der Ursprung der Walpurgisnacht

Die Existenz unserer Vorfahren war eng mit der Natur verknüpft und ihr folgend bestimmten die Menschen  ihre wichtigen Feiertage. Das Frühlingsfest Beltane zählt zu den vier Hauptfesten des keltischen Jahreskreises. Als Mondfest richtete sich das exakte Datum nach dem 5. Vollmond nach Jul, dem keltischen Weihnachten. Erst viel später wurde das Fest der Heiligen Walburga gewidmet und die Nacht zum 1. Mai als fixer Termin auserkoren. Beltane war ursprünglich ein Freudenfest, um die wieder erwachte Natur zu begrüßen. Als Gegenstück fungierte das keltische Fest Samhain (Allerheiligen bzw. Halloween), an dem sich die Natur zu ihrem alljährlichen Winterschlaf zurückzieht.

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