Kolumne

Spargel – das Weiße Gold aus Bayern

Von: Tilman Weigel

Erdbeeren im Winter, Äpfel im Sommer. Mittlerweile werden die meisten Obst- und Gemüsesorten ganzjährig angeboten. Nur der Spargel widersetzt sich. Bis heute ist Spargelzeit ab Ende April bis Johanni, also bis zum 24. Juni. Denn das Gemüse verliert beim Einfrieren viel von seinem Geschmack und schmeckt nur frisch wirklich gut.

Spargel wird noch immer per Hand gestochen – Foto: © Jürgen Sörensen / PIXELIO

Auch sonst ist der Spargel äußerst widerspenstig. Bis heute haben automatische Erntemaschinen sich nicht durchgesetzt, Gemüsespargel wird überwiegend mit der Hand geerntet. Und das “Königsgemüse” hält sich an keine Regeln. Gemüse ist nämlich im Regelfall nur ein- oder zweijährig. Kartoffeln oder Karotten müssen jedes Jahr neu ausgesät werden, anders als Obst. Spargel dagegen kann überhaupt erst im dritten Jahr geerntet werden, das dafür mehrere Jahre hintereinander. Der französische Politiker Charles de Gaulle soll sogar einmal gesagt haben: “Es hat mich nie gestört, dass man mich manchmal mit einem Spargel verglichen hat, denn am Spargel ist der Kopf das Wichtigste.”

Den Bayern ist das “Königsgemüse” so wichtig, dass sie sich gleich mehrere Spargelköniginnen leisten. Etwa ein Fünftel der Produktion kommt aus Niederbayern, überwiegend aus dem Reich der Abensberger Spargelkönigin. Doch auch im Gäuboden wird er zunehmend angebaut. Dabei sind die Böden dort alles andere als sandig und mäßig nährstoffreich, wie es eigentlich typisch für den Spargel ist. Doch das Gemüse ist so beliebt, dass sich sein Anbau mittlerweile auch hier lohnt.

Spargel mit Kartoffeln und Sauce Hollandaise – Foto: Elya, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Bei Ingolstadt residiert die Schrobenhausener Spargelkönigin. Sie repräsentiert das wichtigste bayerische Spargelanbaugebiet, aus dem rund 40 Prozent des Spargels kommen. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts hatte ein Bauer mit dem Spargelanbau angefangen, damals noch von seinen Nachbarn belächelt. Heute nennt sich Schrobenhausen “Lenbachstadt im Spargelland” und beherbergt das vermutlich einzige Spargelmuseum in Bayern.

Ebenfalls rund 40 Prozent des bayerischen Spargels kommen aus dem “Reich” der fränkischen Spargelkönigin. Hier soll das Königsgemüse schon um 1670 angebaut worden sein. Rund die Hälfte davon wächst im Gebiet der Sandachse Franken, die sich von Weißenburg fast spargelförmig bis zum oberfränkischen Bamberg zieht. Das bekannteste Teilgebiet dürfte das Knoblauchsland im Städtedreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen sein.

Die andere Hälfte des fränkischen Spargels kommt aus dem Maindreieck. Praktischerweise wächst hier auch gleich Wein. Denn zum Spargelessen gehört klassischerweise ein Glas Weißwein. Und beim Spargel mögen es die meisten klassisch. Zum gekochten Spargel gibt es Kartoffeln, Schnittlauch und etwas zerlassene Butter oder Sauce Hollandaise und schließlich Schinken, der vor allem in Franken auch mal durch Bratwürste ersetzt werden kann.

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