Kolumne

Das Marterl – zum Gedenken an ein trauriges Ereignis

Von: Anja Bergler

Fährt man mit offenen Augen durch die bayerische Landschaft, wird man am Wegesrand sehr oft die ein oder anderen Marterl sehen. Auch zahlreiche Wanderwege werden von den Feldkreuzen und Bildstöcken umsäumt. Doch was bedeuten diese kleinen Denkmäler eigentlich? Sie haben eine sehr lange Tradition und erinnern an dieser Stelle meist an ein schlimmes Unglück oder an ein Ereignis, das sich dort zugetragen hat. Aber auch bei schwerer Krankheit und als Dank für die Genesung eines lieben Familienmitglieds wurden ganz besondere Marterl zum Gedenken errichtet. Nach Überlieferungen soll man an diesen Stellen zum stillen Gebet einhalten und der Person bzw. dem Toten gedenken.

Hinter jedem Marterl steckt ein Schicksal

Das Marterl, das an den Sechsfachmord in Hinterkaifeck erinnert – Foto: Andreas Keller

Waren vor einigen Jahrhunderten noch Unglücke wie Blitzschlag, Feuer oder Forstunfälle Grund für die Errichtung dieser Steinsäulen, haben sich die Zeiten geändert. Heute findet man das Marterl überwiegend an Orten mit schweren Verkehrsunfällen, die einen tödlichen Ausgang genommen haben und von Freunden und Bekannten als Ort des Abschieds von einem geliebten Menschen betrachtet werden. Aus den ehemals wunderschönen Säulen aus Granit mit schweren aus Eisen gefertigten Kruzifixen, haben sich in der heutigen Zeit schlichte, aber liebevoll geschmückte und gestaltete Holzkreuze mit Namen oder Bildern entwickelt.

Das Marterl hat viele Gesichter

Ein Marterl aus den vergangenen Jahrhunderten im Nürnberger Ortsteil Neunhof – Foto: Keichwa

Der Name Marterl selbst hat zwei Bedeutungen. Einst zierte die Heilige Martha (die Schwester von Lazarus) jedes Marterl mit ihrem Bild. Andere Überlieferungen besagen allerdings, dass der Name vom lateinischen Martyros (Marter) stammt. Dies kann man auch an den Abbildungen von meist gemarterten Heiligen erkennen. Marterl ist eher ein Überbegriff, dabei muss man hier schon ein wenig unterscheiden. So werden auch landläufig Weg- und Feldkreuze, Bildstöcke, Pestsäulen oder Votivbilder als Marterl bezeichnet. Das Aussehen könnte unterschiedlicher nicht sein, gab es hierfür damals keine Norm und jeder war in seiner Gestaltung frei. Leider kann man immer häufiger sehen, dass viele Marterl nicht mehr gepflegt werden und Straßenverläufen, Neubauten und der veränderten Infrastruktur weichen müssen. Teilweise fallen sie auch dem Vandalismus zum Opfer. So werden diese wohl nach und nach aus der Landschaft verschwinden, wenn dem hier nicht gegengesteuert wird.

Sie sind aus der Landschaft nicht mehr wegzudenken

Viele bayerische Gemeinden haben in den vergangenen Jahrhunderten für bestimmte Ereignisse, wie Kriege, Brände oder Unglücke in den Ortschaften auch das ein oder andere Marterl errichtet, damit diese Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten. Damit dies nicht passiert, haben sich gerade die Oberpfälzer Waldvereine und auch andere Organisationen für den Fortbestand eingesetzt und lassen die teils wunderschönen Wald- und Feldkreuze nicht in Vergessenheit geraten. Eine kleine Auswahl hat hier beispielsweise der Oberpfälzer Waldverein, Ortsteil Kohlberg, auf seinen Seiten zusammengestellt. Man erkennt sofort die Vielfalt und die Individualität, darf aber auch nicht vergessen, dass sich hinter jedem der Denkmäler ein besonderes Schicksal verbirgt und jedes eine besondere Geschichte erzählt. Vielleicht denkt man einmal daran, wenn man an einem der zahlreichen Marterl vorbeikommt.

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