Kolumne

Von Riem ins Moos – der Flughafen München

Von: Tilman Weigel

Sollte man einen Flughafen nach einem Minister benennen, der gegen den Rat von Experten ein unausgereiftes Flugzeug bestellte, dass schließlich fast 300 Mal abstürzte und mehr als 100 Menschen in den Tod riss? So fragen die Spötter. Klar, sagen die Anderen. Ohne Franz Josef Strauß hätte es vielleicht keinen Münchner Großflughafen gegeben.

Sicher ist jedenfalls, dass Strauß nicht nur Flugzeugnarr und begeisterter Hobbyflieger war, sondern sich auch für den neuen Flughafen stark gemacht hatte. Dessen Ursprünge gehen aber viel weiter zurück, sein Bau war schon von Strauß Vorgängern beschlossen worden.

So präsentiert sich der Münchner Flughafen heute – Foto: NASA

1958 war es in München-Riem zu einem Flugzeugunglück gekommen, bei dem unter anderem zahlreiche Spieler des englischen Erstligisten Manchester United starben. 1960 schließlich stürzte ein Flugzeug auf eine Straßenbahn, nachdem es beim Start den Turm der Paulskirche gestreift hatte.

Ab 1963 nahm die „Oechsle-Kommission“ ihre Arbeit auf. Die hatte nichts mit Weinbau zu tun, sondern hatte ihren Namen vom Vorsitzenden Richard Oechsle und sollte einen neuen Standort für einen Flughafen finden. Am Ende blieben drei Vorschläge übrig, das Erdinger Moos war nicht dabei. Eine Nachfolgekommission entschied sich schließlich für den Hofoldinger Forst. Doch nach der Schließung des Bundeswehr-Fliegerhorstes Erding war der Standort wieder im Rennen und 1969 entschied der damalige Ministerpräsident Alfons Goppel, dort einen Flughafen planen zu lassen.

Der alte Flughafen Riem – Foto: Okfm

Ab da wurde geplant – und geklagt. Die Reste des ohnehin stark zerstörten Erdinger Mooses mussten zum großen Teil dem Flughafen und der notwendigen Grundwasserabsenkung geopfert werden. Auch viele Bewohner mussten umgesiedelt werden, der kleine Ort Franzheim wurde komplett abgerissen. Auch die Verkehrsanbindung war umstritten, mit dem Zug ist der Flughafen bis heute nur über München erreichbar.

Erst 1980 konnte deshalb mit dem Bau begonnen werden, doch die Klagewelle ging weiter. 1981 wurden die Bauarbeiten gestoppt. Nachdem man sich schon zuvor von einer Variante mit vier Startbahnen verabschiedet hatte, reduzierte man die Pläne auf zwei Bahnen. Trotzdem konnte erst 1985 weiter gebaut werden.

Nach 16 Jahren gerichtlicher und politischer Auseinandersetzung wurde nun sieben Jahre lang gebaut. 1992 nahm der Flughafen seinen Betrieb auf. Innerhalb einer Nacht zog der gesamte Flughafen ein einer gespenstischen Aktion von Riem ins Moos um. Heute ist der Münchner Flughafen der zweitgrößte in Deutschland und sorgt weiterhin für Streit.

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