Kolumne

Stonehenge in der Oberpfalz

Von: Anja Bergler

Wohl jedem sind die beeindruckenden Steinblockdenkmäler im fernen England ein Begriff – die Rede ist von Stonehenge. Imposante Steingebilde zieren dort bereits seit Jahrhunderten die bekannte Anlage und bieten den Touristen auf der Insel einen interessanten Einblick in die Geschichte und das beschwerliche Leben in der Steinzeit. Kaum einer kann sich vorstellen, welche Arbeit und besonders, welche Kraftanstrengung nötig war, um diese Denkmäler überhaupt zu errichten.

Einblicke in die Entstehung und Nachstellung unter erschwerten Bedingungen

Das Kulzer Stonehenge – Foto: www.thanstein.de

Dies war im Jahr 1994 auch der Auslöser für einen Dokumentarfilm, der im Auftrag des Bayerischen Rundfunks mit dem Titel „Stonehenge und die Megalithkultur“ gedreht wurde. Der Film unter der Regie von Dr. Meinhard Prill zeigt, wie Stonehenge entstand und wie die für den Aufbau benötigten drei Gesteinsblöcke transportiert, aufgestellt und miteinander verbunden wurden. Als Ort für den Nachbau wählte man die Ortschaft Kulz in der Oberpfälzer Gemeinde Thanstein im Landkreis Schwandorf.

Die Oberpfalz diente als ideale Kulisse

Dieser Standort wurde nicht ohne Grund für die Realisierung der Sendung ausgesucht, denn dieses Gebiet, auch als Steinpfalz bekannt, verfügt über zahlreiche Granitvorkommen und ist auch für ihre beeindruckenden Felsformationen berühmt. So fand man in den umliegenden Steinbrüchen rund um Thanstein die besten Voraussetzungen für die Umsetzung dieses recht aufwendigen Projekts. Es wurden insgesamt drei Blöcke aus den Granitfelsen gesprengt und mit Lastwagen an ihren Bestimmungsort gefahren.

Der Dank galt den vielen freiwilligen Helfern

Und hier das Original in England – Foto: Heinz-Josef Lücking

Für den Film musste der Aufbau wesentlich schneller vonstatten gehen. Doch bis auf den recht komfortablen Transport verzichtete man weitestgehend auf einen weiteren Einsatz von Maschinen und anderen Hilfsmitteln. Der Bau eines Originals verschlang in England locker ein Jahr Bauzeit, um drei Steinblöcke für nur eines der Monumente herzustellen und anschließend zu errichten. Auch mehrere hundert Mann waren damals nötig, um diese Kraftanstrengung überhaupt bewältigen zu können. Für den Filmdreh fanden sich selbstverständlich zahlreiche freiwillige Helfer aus der Region. Insgesamt 200 Bewohner bzw. Angehörige von Feuerwehr und THW halfen beim Aufbau des über sechs Meter hohen Kunstwerkes tatkräftig mit.

Die Errichtung in Kulz gelang innerhalb von zwei Tagen

Was viele nicht für möglich gehalten hatten, gelang überaus erfolgreich. So konnten die jeweils über 40 Tonnen schweren Granitblöcke mit reiner Muskelkraft und einer besonderen Technik innerhalb von zwei Tagen an ihrem Standort errichtet werden. Diese Dokumentation sollte dem geneigten Zuschauer die Anstrengung und die Leistung vermitteln, die für die Errichtung eines Monuments dieser Größe nötig war. Auch der Umgang mit den verschiedensten Materialien unter recht primitiven Voraussetzungen sollte dargestellt werden. Das Experiment gelang überaus erfolgreich, die Dokumentation wurde ein Erfolg und seit dieser Zeit ist das Kulzer Stonehenge zu einer sehr beliebten Touristenattraktion im Oberpfälzer Land geworden.

 

 

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