Kolumne

Ochsenfurt am Bosporus und am Main

Von: Tilman Weigel

Mit seinen bekannten Namensvettern kann das unterfränkische Ochsenfurt nicht mithalten. Weder mit dem britischen Verwandten, der Stadt Oxford, noch der türkischen Meerenge, dem Bosporus. Wobei letztere rund 36 bis 125 Meter tief ist und somit von einer Furt heute noch weniger die Rede sein kann als beim Main. Früher jedoch scheint der in der Umgebung des unterfränkischen Städtchens so flach (und entsprechend breit) gewesen zu sein, dass man dort Ochsen durchtreiben konnte.

Typisch fränkisch: Ochsenfurt – Foto: Matthieu Riegler

Schon im Jahr 725 wird ein Kloster bei Ochsenfurt erwähnt. Lange Zeit hat es in der Stadt möglicherweise auch einen Königshof gegeben. Immerhin war hier angeblich sogar Richard Löwenherz eine Zeitlang inhaftiert, der berühmte englische König dessen Rückkehr Robin Hood so sehnsüchtig erwartet.

Im Mittelalter war die Stadt Teil des Fürstbistums Würzburg. Sehr zur Freude der Fürstbischöfe, denn die Region um Ochsenfurt hat landwirtschaftlich vieles zu bieten. An den Hängen wächst Wein und die Böden des sogenannten Ochsenfurter Gaus sind mit Lös bedeckt. Bis heute ist die Landwirtschaft in der Region deshalb vergleichsweise wichtig. In der Stadt befindet sich die drittgrößte Zuckerfabrik Deutschlands. Während der Kampagne von September bis Dezember, also nach der Zuckerrübenernte, läuft das Werk mit seinen 200 Mitarbeitern rund um die Uhr und erzeugt eine Viertelmillion Tonnen Zucker.

Bis heute ist Ochsenfurt deswegen vor allem wegen seiner landwirtschaftlichen Erzeugnisse bekannt. Vor der Kreisgebietsreform war die Stadt auch Kreis- und Verwaltungssitz, wurde aber dem 1972 dem Landkreis Würzburg angegliedert.

Kennen könnten man Ochsenfurt aber noch wegen der Altstadt. Viele alte Häuser und Teile der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert sind bis heute erhalten. Bis heute stehen drei der ehemals vier Stadttore und zahlreiche Türme. In der Altstadt findet man das für die fränkischen Städte typische Fachwerk.

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