Kolumne

Das Schifferstädtchen Wörth am Main

Von: Karola Schmitt

Die unterfränkische Stadt Wörth am Main liegt eingebettet zwischen Spessart und Odenwald direkt am Fluss, der das Landschaftsbild prägt. Der Blick vom Mainufer aus über das Wasser hinweg trifft von Wörth aus auf Erlenbach a. M. Auf der gegenüberliegenden Grenzseite der Gemarkung stößt Bayern auf Hessen. Der Name der Stadt resultiert übrigens aus dem Wort „Werder“ oder „Werde“, was eine erhöhte Landschaft an einem Fluss oder eine Insel meint.

Wie alles begann

Wörth am Main – Foto: Fritz Greller-Grimm

Wörth a. M. blickt auf eine lange Geschichte zurück. Zur Zeit des römischen Kaisers Domitians (81-91 n. Chr.) waren es die Römer, die sich zunächst mit einem Holz-Kastell und später mit einem massiven Römerkastell auf dem Areal der heutigen Stadt niederließen. Ab dem 6. Jahrhundert, also zur fränkischen Zeit, bildete Wörth am Main ein Zentrum der königlichen Herrschaft. Die damalige St. Martinskapelle war zugleich eine Basis für christliche Missionierung. Ziel war hier vorwiegend der damals nur schwach besiedelte, noch ungläubige Odenwald.

Die erste urkundliche Erwähnung fand im Jahre 1291 statt. Die Herren von Breuberg (Festung Breuberg/Hessen) waren es, die zusammen mit den Fürstbischöfen von Mainz die Stadt weiter ausbauten. Teile der damaligen Stadtmauer und Wehrtürme stehen noch heute. Die direkte Lage am Main machte Wörth zu einem bedeutenden Handelsplatz, an dem die Menschen auch mit dem Schiffbau Arbeit fanden. 1918 wurde der Platz für die Schiffswerft zu eng, deshalb wechselte sie zur anderen Mainseite nach Erlenbach. Die Stadt hat dadurch trotzdem nichts an ihrer Bedeutung als Schifferstadt eingebüßt, denn noch immer haben zahlreiche Binnenschiffe ihre Heimat in Wörth am Main.

Das Hochwasser und seine erfolgreiche Bändigung

Die Stadtmauer als Hochwasserschutzwand

Der Main trug erheblich zum Wohlstand der Stadt bei, brachte aber mit ständig auftretendem Hochwasser auch Leid, indem er große Teile der Altstadt unter Beschlag nahm. Das Wasser stand in mehreren Jahren sogar etwas mehr als acht Meter über Normal. Seit 2001 ist das Hochwasserproblem zum Glück gelöst. Eine 550 Meter lange Stahlbeton-Hochwasserschutzwand macht das möglich. Im Durchschnitt besitzt sie eine Höhe von drei Metern und verläuft an der alten Stadtmauer entlang. Zum Teil erhielt sie eine Verblendung mit diesen Steinen oder der Schutzwall befindet sich innerhalb von Gebäuden.

Die Ansicht sollte weitgehend erhalten bleiben. Eine Aussichtsplattform gehört gleichfalls zum Hochwasserschutzwall. Tore aus Stahl werden rechtzeitig geschlossen, bevor das Wasser eine kritische Höhe überschreitet. Dazu kommt noch ein unterirdisches Schutzsystem, das die Stadt vor steigendem Grundwasser bewahrt. Die installierten Pumpen schaffen vier Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Dieses gelungene Projekt wurde 2008 mit dem Preis des „Rheinkollegs“ für „Hochwassersicheres Planen und Bauen“ ausgezeichnet.

Das gibt´s zu sehen

Teil der Stadtmauer: der Tannenturm

Das überregional bekannte Schifffahrtsmuseum in der ehemaligen St. Wolfgangskirche zeigt die Entwicklung des Schiffbaus und der Schifffahrt, vor allem im Bezug auf den Untermain. Als eine Art Außenstelle des Museums präsentiert das Bürgerhaus (aus dem Jahr 1600) eine Dauerausstellung über das Leben der Römer mit zahlreichen Funden, denn am nordwestlichen Rand der Gemarkung von Wörth befand sich ein Römerkastell. Das Fundament der St. Martinskapelle auf dem Friedhof stammt aus der Zeit der Christianisierung, die historische Altstadt mit ihrer Stadtbefestigung und Türmen aus dem Mittelalter. Der sieben Meter hohe, aus Sandsteinsäulen bestehende „Galgen“ wurde im Jahre 1754 errichtet. Sehenswert sind darüber hinaus noch die neoromanische St. Nikolauskirche, der Kernbereich der Stadt bestehend aus Rathaus, Pfarrzentrum und Bahnhof sowie das Hofgut von Hünersdorf.

Was es sonst noch gibt

Die St. Martinskapelle

Die Gastronomie in der so idyllisch gelegenen Stadt Wörth am Main besteht vorrangig aus typischen fränkischen Gasthäusern, Cafés und Heckenwirtschaften, also Lokalitäten, die den Wein aus der Gegend ausschenken. Gasthöfe und private Pensionen bieten Übernachtungen an. Direkt am Main gibt es zwei modern ausgestattete Campingplätze. Etwas außerhalb der Stadt lädt ein ausgewiesener Sandstrand am Main zum Baden und zum Sonnen ein. Das wunderschöne Umfeld lässt sich auf dem Radweg am Main erkunden. Der „Main-Radweg“ führt in der einen Richtung über Aschaffenburg nach Mainz und flussaufwärts über Miltenberg, Wertheim, Würzburg bis nach Bayreuth. Einer Umfrage nach belegt diese Strecke Platz 2 der beliebtesten Radfernwege innerhalb Deutschlands.

Das Schifferstädtchen Wörth am Main zählt zu den schönsten Perlen, die der bayerische Untermain zu bieten hat. Wer von einem geruhsamen Urlaub träumt, sich für die Vergangenheit interessiert, gutes fränkisches Essen liebt und die Schönheit der Natur zu genießen weiß, sollte unbedingt einmal ein paar Tage in Wörth am Main verbringen. Es lohnt sich, versprochen!


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