Kolumne

Zu Pfingsten singen in Niederbayern die Wasservögel

Von: Tanja Ranzinger

foto-tanja-22Sie kennen keine Wasservögel? Noch nie von diesen liebreizenden Geschöpfen gehört? Na dann wird es aber allerhöchste Zeit. Die Wasservögel hört man nur am Pfingstsonntag.

In Niederbayern werden in wenigen Orten noch die alten Brauchtümer gelebt. So auch in Ringelai im bayerischen Wald zwischen Freyung und Grafenau. Dort laufen die Burschen in wetterfester Kleidung von Haus zu Haus, denn der Brauch ist, dass die Wasservögelsänger mit Wasser begossen werden sollen. Hier handelt es sich um einen Fruchtbarkeitszauber, der einen trockenen Sommer abhalten soll.

Die Dusche kommt von oben - Foto: www.bairischer-wald.de

Die Dusche kommt von oben – Foto: www.bairischer-wald.de

Der Vorsänger stimmt ein mit “Wir reisen daher am Abend spät, wohl in der Heiligen Pfingstnacht”. So kündigen sich die Wasservögelsänger bei jedem Haus an. Alle andern stimmen dann im Kehrvers mit ein indem sie singen: “Abends schlaft’s nöt, abends schlaft’s nöt, abends da reisen wir daher”.

Nun sind die Bewohner an der Reihe, denn nun sollten sie einen Eimer Wasser auf die singenden Burschen schütten. Doch erst lassen sich diese mit weiterem Gesang dazu auffordern. “D’Wasservögl soll ma giaßn, sonst mecht se’s ja verdriaßn”, manchmal reicht auch ein: “Mir san na allzam brösldrucka.”

Die Wasservögel müssen aber nicht umsonst singen, an jeder Tür gibt es eine Belohnung. Nur manchmal muss man sich auch die erbetteln. Dies klingt dann in etwa so: “Der Bauer hot ein großes Vermögen, er kunt uns leicht an Taler geben”. Öffnet sich dann die Haustüre, wird gesungen: “Jetzt hören wir die Schlüsseln klinga, sie werden uns was bringa“.

Nach der Dusche gibt´s natürlich eine Belohnung - Foto: www.bairischer-wald.de

Nach der Dusche gibt´s natürlich eine Belohnung – Foto: www.bairischer-wald.de

Nachdem sich die Wasservögel bedankt haben, geht es zum nächsten Haus, bis alle Häuser im Dorf besungen wurden.

Durchgefroren, hungrig und durstig machen sich die Burschen am Ende auf in das Wirtshaus, wo die geschenkten Eier in die Pfanne gehauen werden und die Taler in Bier umgesetzt werden. Am Ofen werden die nassen Kleider getrocknet und die alten Geschichten von den alten Wasservögeln erzählt.

Schon am Spaß der Burschen kann man sehen, dass dieser altüberlieferte Kulturbrauch jedes Jahr zünftig gefeiert wird.

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