Kolumne

Seit über 60 Jahren sind in Augsburg die Puppen los

Von: Marcus Schweizer

foto-marcus-2Die Augsburger Puppenkiste hat ihren Ursprung in Frankreich. Walter Oehmichen war 1940 bei Calais stationiert und in einer Schule untergebracht. Dort entdeckte er ein Puppentheater, bastelte einige Figuren und spielte seinen Kameraden zum Zeitvertreib Geschichten vor. Das gefiel ihm so gut, dass er den Entschluss fasste, ein eigenes Puppentheater zu bauen. Die Augsburger Puppenkiste war geboren.

Unverkennbar: das Kasperle - Foto: Elmar Herr, Augsburger Puppenkiste

Unverkennbar: das Kasperle – Foto: Elmar Herr, Augsburger Puppenkiste

Augsburg deswegen, weil er nach Kriegsende im Heilig-Geist-Spital in Augsburg ein richtiges Puppentheater aufbaute. Im Jahre 1948 fand die Premiere statt. In den ersten Jahren wurden noch vorhandene Märchen gespielt, wie „Der gestiefelte Kater“, doch erfand die Mannschaft um Walter Oehmichen in den folgenden Jahren ganz eigene Charaktere, die das Puppentheater so einzigartig machen. Figuren wie Urmel, Jim Knopf, das Sams und Bill Bo sind nur einige der Bekannten. Heute werden immer noch Stücke aufgeführt und neue Figuren erfunden, die sich sogar im Computerzeitalter, einer großen Nachfrage sicher sein können.

Die Bekanntheit hat die Augsburger Puppenkiste sicherlich dem Fernsehen zu verdanken. Filme wie “Monty Spinnerratz” fanden begeisterte Fans bei den Kinogängern. Die “Muminfamilie“, “Urmel aus dem Eis“, “Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer” oder “Lilalu im Schlepperland” haben das Kinderprogramm bereichert.

Jim Knopf, Lukas und Emma - Foto: Elmar Herr, Augsburger Puppenkiste

Jim Knopf, Lukas und Emma – Foto: Elmar Herr, Augsburger Puppenkiste

Der Erfolg kam durch eine Ausstellung von Augsburger Firmen in den frühen 50er Jahren, auf der der Leiter des Nordwestdeutschen Rundfunks die Marionetten entdeckte. Am 21. Januar 1953 kam die Geschichte „Peter und der Wolf“ zum ersten Mal ins Fernsehen und ab dem Jahr 1956 übernahm der Bayerische Rundfunk die Sendung im Kinderprogramm. 1959 übernahm der Hessische Rundfunk. Bei 60 Grad Celsius im Scheinwerferlicht leisteten die Puppenspieler harte Arbeit. Im Jahr 1994 wurde die Zusammenarbeit mit dem HR beendet.

Eine besondere Auszeichnung erhielt die Augsburger Puppenkiste von den Lesern der Zeitschrift Hörzu, die die Augsburger Puppenkiste 2004 zu Gewinnern der Goldenen Kamera wählten. Seit dem Jahr 2001 findet sich in Augsburg übrigens auch “Die Kiste“, das Museum zum Theater. Dort kann man die Helden der Kinderzimmer hautnah erleben und wird selbst noch mal zum Kind.

Kommentar hinterlassen