Kolumne

Porzellanikon – Das Vier-in-Zwei-Museum

Von: Sebastian Herbst

Wer sich für die moderne Fertigung von Porzellanprodukten, für den hochmodernen Einsatz von den High Tech Ablegern oder aber für die Geschichte der Rosenthal GmbH interessiert, der ist mit dem Porzellanikon in Selb, respektive Hohenberg an der Eger, perfekt beraten. Im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge, und damit auch gleich genau passend im Zentrum der deutschen Porzellanindustrie gelegen, wartet das Porzellanikon gleich mit vier unterschiedlichen Ausstellungen auf, wir haben es hier also mit einem Museumskomplex zu tun.

Wunderschöne Arbeiten erwarten den Besucher, hier eine Vase von 1908 – Foto: Porzellanikon

Wobei auch das wiederum nicht ganz richtig ist, eigentlich haben wir es hier mit zwei Museumkomplexen zu tun, teilen sich doch Selb und Hohenberg die Ausstellungen des Porzellanikons. Selb kommt dabei erst einmal besser weg, hat es doch gleich drei Ausstellungen inne. Einmal das Europäische IndustrieMuseum für Porzellan, das sich mit der industriellen Fertigung von Keramikprodukten beschäftigt, dann das Europäische Museum für Technische Keramik, das High Tech Komponenten aus dem Material vorstellt, was man ansonsten eher mit Geschirr und Kunstgegenständen assoziiert, und zu guter Letzt das Rosenthal Museum, das die Geschichte des Porzellandesigns und der Fertigungsverfahren speziell bei der Rosenthal GmbH beleuchtet.

Figur "Scalare" mit Goldbemalung von 1951 – Foto: Porzellanikon

Da hat Hohenberg mit nur einer einzigen Ausstellung, nämlich dem Deutschen Porzellanmuseum, scheinbar den Kürzeren gezogen, möchte man meinen. Doch erst auf den zweiten Blick offenbart sich der echte Mehrwert dieses Museums: Anders als die sich in Selb befindlichen Teile des Porzellanikons, wartet das Deutsche Porzellanmuseum mit Tradition auf, stellt die Geschichte des Geschirrs vor, Essen im Wandel der Zeit also. Man wird um 200 Jahre zurückversetzt, nur um dann wieder den Gang in die Gegenwart zu wagen, den Blick immer auf die stetige Veränderung rund um das Porzellangeschirr wissend.

Man kann also sagen, dass sich beide Teile des Museums, sowohl der in Selb als auch der in Hohenberg, als sehr interessant für einen Besuch entpuppen. Während der naturwissenschaftlich Orientierte vor allem in Selb sein Glück findet, und das sogar gleich dreimal, kann der historische Typ seinen Horizont in Hohenberg erweitern. Das perfekte Vier-in-Zwei-Museum also.


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