Kolumne

Das Vogtland – Leben wie ein Vogt in Bayern

Von: Sebastian Herbst

foto-sebastian-21Ein mittelalterlicher Vogt hatte sicherlich ein sehr schönes Leben, war er doch als im Namen der Krone regierender Adliger im Gegensatz zum großen Rest der Bevölkerung finanziell eher unabhängig. Was würde da also besser passen, als wenn sich eben diese besonderen Personen auch ein besonderes Stück Land aussuchen würden, das vor allen Dingen für seine idyllische, mit weiten Flächen und Wäldern besetzte Landschaft bekannt ist. Also zum Beispiel das Vogtland.

Dessen Name geht nämlich auf nichts Geringeres als den mittelalterlichen Adelstitel zurück, genauer auf das Jahr 1180, als die Herren von Weida vom berühmten Kaiser Barbarossa in die Stellung von Vögten erhoben wurden. Ob sich das Vogtland weiterhin weiter nach Tschechien erstreckt, ist bislang noch nicht festgelegt, wenn auch in diesem Zusammenhang gerne vom „böhmischen Vogtland“ gesprochen wird. Urkunden, die die genauen Gebietsabgrenzungen definieren könnten, sind leider in den Annalen der Geschichte untergegangen.

Fast wie aus dem Bilderbuch: das Vogtland ist einfach schön - Foto: © Marco Barnebeck / PIXELIO

Fast wie aus dem Bilderbuch: das Vogtland ist einfach schön – Foto: © Marco Barnebeck / PIXELIO

Doch was macht das Vogtland, insbesondere den bayerischen Teil, denn nun so ansehnlich? Ist es die Vielfalt, die sich einerseits aus flacheren Landschaften zusammensetzt, während sie wenige Kilometer später durch Hochflächen gezeichnet ist? Ist es das Aufeinandertreffen des Erzgebirges mit dem Frankenwald oder doch eher die Vereinigung von Nadel- und Laubwald? Was dem einzelnen am meisten zusagt, das wird wohl jeder für sich selbst herausfinden müssen. Zur Auswahl stehen ja immerhin noch eine ganze Reihe an Heilquellen in Orten wie Bad Elster oder Bad Brambach, direkt an der Grenze zu Bayern. All diese sind dem Vulkanismus zu verdanken, der in ganz Mitteleuropa seine stärkste Ausprägung im Vogtland findet.

Daneben präsentiert sich die wunderbare Naturlandschaft auch wirtschaftlich sehr stark, in Anlehnung an das amerikanische Technologiezentrum „Silicon Valley“ bezeichnet sich zum Beispiel der „Musikwinkel“, bestehend aus den Städten Markneukirchen und Klingenthal, klangvoll als „Musicon Valley“.

Das Bayerische Vogtland an sich, oft auch als Hofer Land bezeichnet, lässt es da eher etwas ruhiger angehen, industriell gehört es zu den weniger erschlossenen Gebieten des Vogtlandes. Wofür sich Bayern nicht schämen muss, ganz im Gegenteil, denn immerhin bietet sich hier auch eine der unberührtesten Landschaften.

Es bietet also wirklich viel, das Vogtland. Ob man nun einfach nur als Kulturhungriger unterwegs ist oder eine Wanderung unternehmen will – hier ist man richtig!

1 Kommentar zu Das Vogtland – Leben wie ein Vogt in Bayern

  1. D. Trommer // 14. Juli 2010 um 13:38 //

    Dem kann ich nur zustimmen. Das Vogtland ist wirklich eine der reizvollsten Gegenden in Deutschland, die ich kenne. Um alle Besonderheiten aufzuzählen, reicht ein Artikel eigentlich nicht aus. Am Ende kann man es auch nur nachvollziehen, wenn man es selbst einmal gesehen hat.

    Eine Besonderheit ist wie schon erwähnt der vogtländische Musikinstrumentenbau. Seit über 350 Jahren ist dieses Handwerk im Vogtland angesiedelt und seitdem nicht mehr wegzudenken. Schon bald erkannten die Hersteller, dass sie mit ihren Instrumenten auch über die Grenzen des Vogtlandes hinaus Käufer fanden. Absatzmärkte eröffneten sich in aller Welt. Dieser Wirtschaftszweig führte zu großem Wohlstand in der Region, der bis heute zu bewundern ist. Wunderschöne Villen, über 100 Musikinstrumentenwerkstätten, eine Fachhochschule für Musikinstrumentenbau und vieles mehr lassen das Herz der Musikliebhaber höher schlagen. Für alle, die mal etwas Neues sehen wollen, lohnt sich die Reise in den Musikwinkel.

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