Kolumne

Ausbildung von Blindenhunden in München

Gerade für Menschen mit einer Sehbehinderung sind Blindenhunde bzw. Blindenführhunde das Tor zur Welt, denn sie weisen den Weg durch fremde Gegenden und schützen vor gefährlichen Hindernissen und Unfällen. Was nur wenige ahnen, eine Ausbildung zum Blindenführhund dauert viele Jahre und ist mit einem hohen Aufwand und ebenso hohen Kosten verbunden. Der perfekte Blindenführhund wächst in einer familiären Umgebung auf und besitzt ganz spezifische Eigenschaften.

Blindenführhunde | © Bildagentur PantherMedia / cylonphoto Blindenführhunde | © Bildagentur PantherMedia / cylonphoto

Die Ausbildung der Führhunde in Bayern

Seit Jahren verfolgen der Verein Deutsche Blindenführhundhilfe gemeinsam mit der Hundeschule und dem ehemaligen Polizeidiensthundeführer Wolfgang Seitle nur ein Ziel: Blinden Menschen das Leben gemeinsam mit Hunden zu erleichtern. Die Basis der Ausbildung in München liegt in Neuburg an der Donau. Wobei das Training sich auf München beschränkt. Gerade das Üben unter Großstadtbedingungen und das gemeinsame Lernen in Kaufhäusern und  U-Bahnen stellt einen wesentlichen Teil der Ausbildung.

Darüber hinaus können die Ausbilder auf einen reichen Fundus von Spezialisten und Tiermedizinern zurückgreifen. Mittlerweile hat sich eine große Zahl an Patenfamilien gefunden, die auch als Sponsoren fungieren. Immer noch fehlt das nötige Geld für die Aufzucht und die damit verbundenen Kosten.

Wolfgang Seitle verweist in diesem Zusammenhang auf den internationalen Standard der International Guide Dog Federation. Hier sind alle Vorschriften festgehalten:

  • von der korrekten Aufzucht der Hunde,
  • der eigentlichen Zusammenführung eines Gespanns
  • bis hin zur feinen Dokumentation der Zucht.

Nicht jeder Hund ist ein Blindenführhund. Es sind die Vertreter ihrer Art, die besonders sensibel und feinfühlig auf die Bedürfnisse eines Menschen reagieren. Gerade Retriever scheinen sich für diese Aufgaben zu eignen, da man sie sehr oft als Blindenführhunde in München antrifft. Doch auch der Königspudel und der Riesenschnauzer bilden die Fähigkeiten zum Blindenhund aus. Der Weg bis hin zum fertigen Blindenführhund ist beschwerlich und weit.

Zucht und Auslese als Basis für einen Blindenführhund

Zuerst einmal sucht der Ausbilder beim Züchter einen Welpen aus und bringt diesen für 12-16 Monate bei einer Patenfamilie unter. Für die Kosten, die im Hinblick auf das Futter, die Versicherung, den Tierarzt und die Zusatzbetreuung entstehen, kommt die deutsche Blindenführhundhilfe auf. Es ist anzuraten, sich mehr als einmal darüber Gedanken zu machen, ob man als Familie in der Lage ist, einen Pate für einen jungen, angehenden Blindenführhund zu sein.

Die Betreuung ist äußerst zeitintensiv und aufwendig. Darüber hinaus darf die Familie keinen anderen Hund haben. Ein nicht zu unterschätzendes Problem stellt die absehbare Trennung von dem Hund zu sein. Dabei gibt die Deutsche Blindenführhundhilfe an, dass es möglich ist, die Paten-Familien mit den zukünftigen blinden Besitzern bekannt zu machen. Das hilft den Familien, die mit Trennungsschmerz zu kämpfen haben.

Die Ausbildung der Blindenführhunde

Die eigentliche Ausbildung dieser Hunde gehört in absolute Profi-Hände, denn die Ausbildung ist mit anspruchsvollen und durchdachten Schritten verbunden. Nach der Zeit der Ausbildung sollte der Hund in der Lage sein, für eine blinde Person einen sicheren Platz zu finden, sowie in Gebäuden zielsicher Eingänge und Ausgänge anzuvisieren. Auch Hindernisse im öffentlichen Straßenverkehr sollen zielsicher umgangen werden. So zeigen die Führhunde eine Bordsteinkante und einen Ampelpfosten.

Auf diese Weise sind diese besonderen Hunde in der Lage, die Mobilität einer blinden Person enorm zu erhöhen und eine Basis für die Eigenständigkeit zu schaffen. Die Hunde haben über die gesamte Verweildauer hinaus, die inneren und äußeren Ebenen des Alltags und der Umgebung im Blick. Es ist von oberster Bedeutung, dass diese Hunde charakterfest, ruhig und stressresistent sind. Ein Blindenführhund sollte sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen.

Problem: Hohe Kosten für einen Blindenführhund

Mit der Anschaffung eines Führhundes sind hohe Kosten verbunden. So zahlt die Krankenkasse für einen ausgebildeten Blindenführhund  22.00-26.000 €. Seitles kritisiert diese Zuzahlung als viel zu niedrig. Bis zu einem ersten möglichen Ausbildungseinsatz kostet der Hund schon 7000 €. Darüber hinaus gibt es keinerlei Gewähr für eine erfolgreiche Zucht.

Die Schweiz geht mit einem positiven Beispiel voran und zeigt, wie man es besser machen kann. Hier übernimmt eine finanzstarke Stiftung die Finanzierung der Blindenführhunde. So bildete man in der Schweiz und in Österreich bereits 390 Blindenhunde aus. Im Vergleich zu Deutschland sind es gerade einmal 80.

Es ist zu hoffen, dass sich die Ausbildung und die Förderungsmöglichkeiten in diesem Bereich weiterentwickeln, um gerade blinden Menschen zu mehr Freiheit, Eigenständigkeit und Flexibilität zu verhelfen.

Patenfamilien sollten in diesem Zusammenhang die zum Teil hohen Anforderungen und Risiken bedenken, die entstehen, wenn sie zeitweise einen jungen Hund adoptiert.

Links zur weiterführenden Information

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/verein-deutsche-blindenfuehrhundhilfe-wie-blindenhunde-in-muenchen-ausgebildet-werden-1.2670850