Kolumne

Rehau – das junge bayerische Urgestein

Von: Sebastian Herbst

Die Stadt Rehau begeht in diesem Jahr eine 200-Jahr-Feier. Schon irgendwie erstaunlich, wurden doch die meisten Städte in Deutschland im Mittelalter gegründet und haben normalerweise um die 1.000 Jahre oder sogar mehr auf dem Buckel. Die hat Rehau auch. Nur nicht in Bayern.

Offiziell heißt das Stadtfest nämlich „200 Jahre Rehau in Bayern“ und erinnert damit an das denkwürdige Ereignis, als das Markgrafentum Bayreuth mitsamt Rehau am 5. Juli 1810 während des napoleonischen Feldzuges Bayern angegliedert wurde.

Rehau liegt unweit der bayerisch-tschechischen Grenze und gehört seit 200 Jahren zu Bayern – Foto: Stadt Rehau

Natürlich ist die knapp 10.000 Einwohner starke Stadt jedoch viel älter, urkundlich erwähnt wurde sie erstmals 1234 als Resawe, die Verleihung des Stadtrechts folgte 1427. Großflächige Stadtbrände sorgten dafür, dass sich Rehau im 19. Jahrhundert einem umfassenden Wiederaufbau unterziehen musste, der für das heute noch typische, klassizistische Stadtbild verantwortlich ist. Allein dieses ist schon eine Augenweide, wohl aber noch längst nicht alles, was Rehau zu bieten hat. Hinzu gesellen sich das Kunsthaus und der Skulpturengarten, der Schiller- und der Maxplatz, die Stadtpfarrkirche St. Jobst und die Dorfkirche Pilgramsreuth. Auf dem Gebiet, wo letztere steht, wurde im Übrigen im Jahre 1647 erstmals in Deutschland die Kartoffel angebaut, eine Tat, die die meisten Deutschen auf Friedrich II. zurückführen, wogegen die Rehauer entschieden ankämpfen. So wird jährlich die „Goldene Kartoffel“ an berühmte Persönlichkeiten verliehen und wer sich einmal im heutigen Stadtteil Pilgramsreuth umsieht, wird schnell das Denkmal finden, das die Menschen an die segenreiche Erfindung der Oberfranken erinnern soll.

Sind Sie nun neugierig auf Rehau geworden? Interessant klingt der Mix aus Kultur, Historie und Esskultur allemal. Deshalb sollten Sie es auch nicht verpassen, eines der Dutzenden von Gasthäusern aufzusuchen, das sich Ihnen in Rehau anbieten. Und sagen Sie dann auch bitte, ob die Kartoffel aus Rehau denn wirklich „gold“ wert ist.

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