Kolumne

Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth

Von: Sebastian Herbst

Es ist schon schade, dass Bayreuth das Richard-Wagner-Festspielhaus hat. Ja sicher, kulturell ist es natürlich ein Highlight und eine immense Bereicherung. Aber haben Sie sich schon einmal überlegt, was das für die anderen historischen und kulturellen Gebäude in Bayreuth bedeutet? Genau, dafür interessieren sich nur wenige. Und wenn man mal das komplette Kulturangebot der Stadt in Anspruch nimmt, erinnert man sich am Ende ja doch nur an das beeindruckende Festspielhaus.

Da gehen einem wirklich die Augen über, oder? – Foto: Dickbauch, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Dabei gibt es neben dem Festspielhaus noch eine weitere Oper in Bayreuth, das Markgräfliche Opernhaus, das mit seiner Erbauung 1744 über 100 Jahre älter als der Wagnerbau und damit eines der wenigen Originaltheater ist, die uns aus dieser Zeit noch erhalten bleiben konnten. Jeder, der beide Häuser besucht, stellt allerdings fest, dass sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Auf der einen Seite das Festspielhaus, das durch seine nüchterne Ausstattung bewusst dem einfachen Volke nahe sein sollte, und auf der anderen Seite das Opernhaus, das mit seiner prunkvollen Ausstattung auch für die Zeit des Spätbarocks schon fast übertrieben wirkt – man kommt sich fast schon so vor wie im Tresor der Europäischen Zentralbank, bei dem ganzen Gold.

Und schon allein der bis ins Kleinste zur Perfektion getriebene Hörsaal ist einen Besuch wert – und damit wird das Markgräfliche Opernhaus auch für Leute interessant, die nicht gerade Fans von Faust, der Zauberflöte oder Carmen sind – sich ein solches Stück anzusehen, ist nicht nötig, um eine beeindruckende und interessante Erfahrung zu machen. Wann immer sie möchten – denn das Opernhaus ist täglich für Besucher geöffnet und wartet dazu noch mit einem interessant inszenierten Lichtspiel zur Entstehung des Hauses auf.

Kommentar hinterlassen