Kolumne

Auf dem Grünen Hügel – das Richard-Wagner-Festspielhaus

Von: Sebastian Herbst

„Auf dem Grünen Hügel“, so könnte eigentlich der Titel eines Schlagerhits der Kastelruther Spatzen lauten. Tatsächlich ist er aber Standort des wahrscheinlich weitaus bekannteren Richard-Wagner-Festspielhauses. Bis heute gilt es als eines der Opernhäuser mit der besten Akustik weltweit. Umso mehr verwundert es, dass der Bau des knapp 2.000 Zuschauern Platz bietenden Hauses lediglich drei Jahre, von 1872 bis 1875 gedauert hat.

So sah das Festspielhaus nach der Vollendung 1875 aus.

Wobei man sich das vielleicht noch über die recht prunklos und spartanisch ausfallende Bauweise erklären kann, die sogar dazu geführt hat, dass das Festspielhaus in Insiderkreisen auch als die „Scheune“ bekannt ist. Vor allem das beim ursprünglichen Bau verwendete Holzfachwerk, das bei der Renovierung in den 1960ern jedoch durch ein Stahlbetongerüst ersetzt wurde, unterstützte diesen Eindruck. Was Richard Wagner, der den Bau selbst geleitet und größtenteils durch Spendengelder finanziert hatte, aber keineswegs gestört hat. Im Gegenteil erweckte der Bau bei den Leuten genau den Eindruck, den Wagner mit seinen „flüchtig gezimmerten Festhallen“, erreichen wollte: Nämlich die Nähe zur Volkstümlichkeit und den einfachen Leuten.

Und so ist es heute auf dem Grünen Hügel zu finden – Foto: © g1946 / PIXELIO

Das Richard-Wagner-Festspielhaus brachte weiterhin, vor allem dank der intensiven Mitarbeit Richard Wagners selbst, viele Neuerungen in die deutschen Theater. So gilt er bis heute als Erfinder des „Wagnervorhangs“, einem Bühnenvorhang, der sich diagonal öffnet und dabei gleichzeitig nach oben gezogen wird. Auch der „Mystische Abgrund“ ist unter Opernliebhabern sehr bekannt – er bezeichnet den Orchestergraben, der mit Hilfe eines Schalldeckels den Augen des Publikums entzogen wurde, damit diese sich voll und ganz auf das Bühnengeschehen konzentrieren konnten. Gleichzeitig beeinträchtigt der Deckel keineswegs die Akustik, sondern kann sie Experten zufolge sogar verbessern – und machte das Richard-Wagner-Festspielhaus bekannt für seinen typischen „Bayreuther Mischklang“.

Das Richard-Wagner-Festspielhaus gehört in Bayern auf jeden Fall zu den Top 10 der Sehenswürdigkeiten und kann auch deutschlandweit der Konkurrenz die Stirn bieten – das haben viele verstanden und so finden die Bayreuther Festspiele in der Zeit vom 25. Juli bis zum 28. August auch regen Zulauf. Wer diese also einmal miterleben will – was zweifelsohne eine Erfahrung der ganz besonderen Art ist – sollte sich rechtzeitig Karten vorbestellen! Eine Garantie, auch Karten trotz Vorbestellung zu erhalten, kann allerdings nicht gegeben werden.

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