Kolumne

Johann Strauß Sohn – wie der Walzerkönig Coburger wurde

Von: Tilman Weigel

Kaum zu glauben, aber der Walzerkönig Johann Strauss starb nicht als Wiener, ja noch nicht einmal als Österreicher, sondern als Coburger. Zumindest auf dem Papier. Den Zusatz „Sohn“ trägt er übrigens, weil auch sein Vater Johann hieß und Komponist war. Dessen berühmtestes Werk dürfte der Radetzky-Marsch sein.

Noch bekannter wurde sein Sohn. Fast jeder kennt seinen Donauwalzer, viele die Operetten Wiener Blut oder Die Fledermaus. Johann Strauss Sohn ist der Inbegriff Wiener Kultur. Und um es vorneweg zu sagen, ein überzeugter Wiener ist er wohl bis zu seinem Tode geblieben. In Wien starb er auch und dort liegt er begraben. Allerdings nicht als österreichischer Staatsbürger, sondern als Coburger.

Johann Strauß Sohn

Nach Coburg brachten ihn die Frauen. Nicht etwa, weil er sich in eine Coburgerin verliebt hätte. Vielmehr hatte Strauss 1878 die Schauspielerin Angelika Dittrich geheiratet. Seine erste Frau Henriette war gerade wenige Wochen zuvor gestorben. Doch auch mit seiner zweiten Frau hatte Strauss kein Glück.

Die starb zwar nicht, aber brannte mit einem anderen Mann durch. Das war fast noch schlimmer. Nicht nur wegen der Schmach, dass seine Frau einen Theaterdirektor ihm vorzog, sondern auch weil er so nicht neu heiraten durfte. Denn das österreichische Recht orientierte sich an dem bis heute weitgehend gültigen Rechtsverständnis der römisch-katholischen Kirche. Demnach kann maximal eine „Trennung von Tisch und Bett“ erlaubt werden und auch das nur, wenn besondere Härtefälle wie ein uneheliches Kind oder häusliche Gewalt vorliegen.

Der Partnerwechsel seiner Frau wurde zwar als solch ein Härtefall akzeptiert und die Ehe nach Tisch und Bett geschieden, doch formal bestand sie weiter. Somit konnte Strauss wenige Jahre später seine neue Freundin Adele nicht heiraten.

Da kam dem Komponisten ein Angebot aus dem Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha gerade recht. Herzog Ernst II. war ein großer Förderer von Kunst und Kultur und Bewunderer von Johann Strauss‘ Musik. Strauss konnte in Coburg neu heiraten, er musste dafür allerdings gemeinsam mit Adele zum evangelisch-lutherischen Glauben übertreten und die coburgische Staatsangehörigkeit annehmen. In der Hofkapelle von Schloss Ehrenburg heiratete er ein drittes Mal.

Die Wiener nahmen ihm diesen Wechsel so übel, dass sie Johann Strauss das erst zwei Jahre zuvor verliehene Bürgerrecht wieder entzogen. Lange aufgehalten hat sich der Komponist in Coburg allerdings nicht. Ihn zog es zurück in die Großstadt Wien.

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