Kolumne

Die Burgruine Runding – einst die größte Burg im Bayerischen Wald

Von: Anja Bergler

Schlösser und Burgen längst vergangener Zeiten haben ja fast schon etwas Magisches an sich. Davon kann sich auch die Burgruine Runding östlich von Cham gelegen nicht freisprechen. Sie befindet sich auf dem „Schloßberg“ hoch über der Gemeinde Runding im Chamer Landkreis. Man kann an den Überresten der Burganlage gleich erkennen, wie groß die Burg einmal gewesen sein muss.

Es wird davon ausgegangen, dass es sich hier um die ehemals größte Burganlage des Bayerischen Waldes gehandelt haben muss. Die Gesamtfläche einschließlich der Vorburg mit dem Pfleghaus und dem Getreidekasten dürfte überbaut rund 15.000 Quadratmeter betragen haben. Allein der Wall, der im Übrigen begehbar ist, weißt eine Länge von nicht ganz 400 Metern auf. Dieser umgibt die Burgruine in einem gleichmäßigen Oval vollständig.

Die Geschichte der Burgruine Runding

Einst eine stolze Burg, heute nur noch eine Ruine: die Burg Runding

Erste Erwähnung fand das Gründergeschlecht der Runtinger (auch Roumptinger) im Jahr 1118. Damals standen diese noch im Dienst der Chamer und Vohburger Markgrafen. Man geht allerdings davon aus, dass die Burg schon vor 1100 von den Runtingern angelegt worden sein muss. Es gelang dem Geschlecht trotz der vorherrschenden einfachen Verhältnisse, ihre Herrschaft konsequent auszubauen. Dies ist auch bis ins Jahr 1415 konstant schriftlich dokumentiert und festgehalten worden. Allerdings gab es dann ab diesem Zeitpunkt keine Nachkommen mehr und das Geschlecht versiegte.

Im gleichen Jahr gelang es dem ersten Verwalter des niederbayerischen Herzogs, Heinrich Notthafft, die Burg Runding in seinen Besitz zu bringen. Von da an übernahm die hoch angesehene und reiche Adelsfamilie Notthafft für fast 400 Jahre die Geschicke der Burg und auch der angeschlossenen Ortschaften. Unterbrochen wurde die Besitzherrschaft nur einmal über einen Zeitraum von 70 Jahren während der Reformationszeit. In dieser Zeit übernahm das Geschlecht der Eyb die Besitztümer.

Der Nordostflügel, im Hintergrund die Reste des Palas

Zu Beginn war die Burg noch eher unscheinbar. Allerdings bauten die Notthaffts die Anlage im 15. und 16. Jahrhundert zu einer wunderschönen Veste aus. Der prächtige Bau war bis in das 19. Jahrhundert hinein vollständig erhalten.

Im Jahr 1858 gelangte die Burg dann über einige Umwege in den Besitz eines Bauern aus Runding, der die nicht vermieteten Räume einfach abriss, um seine Kosten mit dem Verkauf von Holz und Steinen decken zu können. Auch die Anwohner bedienten sich großzügig am kostengünstigen Baumaterial.

Der Verfall konnte nicht verhindert werden

Der Verfall war ab da, trotz einiger Versuche dagegen vorzugehen, nicht mehr aufzuhalten. Daher gewannen die Umwelteinflüsse, und auch der starke Pflanzwuchs bekam die Oberhand über die Mauerreste.

Einige Grundmauern stehen noch unversehrt da. So kann man auch heute noch genau die Umrisse des Burghofs, einiger Nutzbauten, des Zwingers oder die des Burgfelsens erkennen und sich so einen Eindruck verschaffen. Auch das Kellergewölbe in der Vorburg und weitere Wirtschaftsbauten kann man besichtigen.

Der Verfall soll gestoppt werden – man plant eine weitreichende Sanierung der Gemäuer

Die Reste des Pfleghauses in der Vorburg

Ist man vor Ort, so hat man die Möglichkeit weitere Informationen in Infokästen und in einem Burgführer nachzulesen. Hier wird auch davon berichtet, dass man die Ruine zu einem Freilichtmuseum umgestalten wird. Unter Mithilfe des 1996 gegründeten Vereins Burgfreunde Runding e.V. wurden zusätzlich noch weitere Teile der Anlage freigelegt und gesichert.

Bis zum heutigen Tag werden immer noch zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Burgruine auch für die Besucher begehbar und sicher zu machen. Allerdings muss man für die Besichtigung einen kleinen Fußmarsch hinauf auf den Berg in Kauf nehmen, doch man wird für die Strapazen bei gutem Wetter mit einer wunderschönen Aussicht entschädigt werden. Wer die Burg nun einmal auf eigene Faust erkunden möchte, der ist dazu jederzeit herzlich eingeladen. Es gibt keine Öffnungszeiten, daher ist die Ruine Tag und Nacht zugänglich. Der Eintritt ist natürlich frei.

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