Kolumne

Der Föhn – trockener Fallwind mit Kopfschmerzgarantie

Von: Eranie Funderburk

Viele Menschen, die in der Nähe der Alpen leben, klagen immer wieder über Kopfschmerzen. Der Grund ist der Föhn, ein warmer und trockener Fallwind, der immer wieder weht. Der Name „Föhn“ entwickelte sich aus mehreren Sprachen. Die alten Römer nannten den lauen Westwind „Favonius“. Später übernahm die rätoromanische Sprache („Favugon“) den Ausdruck und im Althochdeutschen entwickelte sich der Begriff zu „Phonno“. Je nachdem, wo sich die Föhnlagen befinden, haben sich verschiedene Bezeichnungen entwickelt. Der Föhnwind der Alpen wird auch Südföhn (Alpennordseite) oder Nordföhn (Alpensüdseite) genannt.

Die Entstehung des Föhns

Die Entstehung von Föhn: Der Gebirgsaufwind führt zu einer Erwärmung der Luft (rechts) – Grafik: geof

Beim Alpenföhn spricht man von einer Windströmung, die über dem Gebirge entsteht und auf der Lee-Seite (dem Wind abgewandte Seite) des Gebirges herabfällt. Die herabströmende Luft wird warm und trocken. Sobald Alpenföhn herrscht, hat man einen herrlichen Ausblick in die Ferne. Grund sind die aerosolarmen Luftmassen. Diese Luftmassen sind voller kleiner verdampfter Teilchen, die das Licht ablenken und zusammen wie eine Linse wirken, die Objekte größer oder näher erscheinen lassen. Die Atmosphäre wirkt dann wie ein Vergrößerungsglas und gleichzeitig erhöht sich die Außentemperatur, die den Effekt noch weiter verstärkt. Zur Föhnlage gehören die Föhnmauer und das Föhnfenster. Bei der Föhnmauer handelt es sich um eine markante Wolkenwand. Das Föhnfenster ist der fast blaue Himmel. Erhöhen sich die Windgeschwindigkeiten, dann kann ein Föhnsturm entstehen. Die Föhnmauer kann dann auf der vom Wind abgewandten Seite hereinbrechen wodurch Niederschläge entstehen.

Die unterschiedlichen Föhntheorien

Bei Föhn kann man die Alpen sogar bis in die Oberpfalz sehen – Foto: Martin Regensburg

Man unterscheidet mehrere Föhntheorien. Die thermodynamische Föhntheorie besagt, dass der Föhn durch die Druckgradientkraft entsteht. Dabei entsteht auf der Lee-Seite ein tiefer Druck. Die Luft auf der Luv-Seite (dem Wind zugewandten Seite) kühlt ab und steigt nach oben. Die Feuchtigkeit in der Luft kondensiert und es entstehen Wolken. Auf dem Bergkamm entsteht ein Steigungsregen, in höheren Lagen kann es sogar schneien. Auf der anderen Seite sinkt die Luft nach unten und es entsteht der Föhnwind. Nachdem die Feuchtigkeit bereits abgeregnet ist, ist der Wind trocken und die Luft erwärmt sich. Mittlerweile ist diese Theorie nicht mehr ganz richtig, denn es gibt den Alpenföhn auch ohne Bewölkung am Bergkamm und die Luft kann sogar stagnieren und sich in die entgegengesetzte Richtung bewegen.
Die dynamische Föhntheorie besagt, dass die Atmosphäre aus Gasen besteht, die sich allerdings wie Flüssigkeiten verhalten. Die Folge sind atmosphärische Wellenstörungen oder Turbulenzen.

Gesundheitliche Folgen

Viele Menschen leiden bei Alpenföhn. Kopfschmerzen, Unruhe, Nervosität, Schlaflosigkeit, Depressionen, Herz- und Kreislaufprobleme und viele weitere Symptome sind keine Seltenheit. Man vermutet, dass diese sogenannte Föhnkrankheit mit den Druckunterschieden der Luftfronten in Verbindung steht.

2 Kommentare zu Der Föhn – trockener Fallwind mit Kopfschmerzgarantie

  1. Oh ja, Föhnkopfweh kenn ich gut!
    Aber dafür hab ich auch bei Föhn einen wahninns Bergblick vor meiner Haustür 🙂
    Manchmal hat man das Gefühl, gleich hinter der nächsten Ortschaft beginnt die Kampenwand – zum Greifen nah – herrlich! – Das entschädigt alle Zipperlein !

  2. Föhnwetter ist für Wetterfühlige eine schlechte nachricht. Die Segelflieger in den Alpen freuen sich wie wild über diese Ansage im morgentlichen Wetterbericht, denn sie können bei stabilen Fönwetterlagen stundenlang in der Luft bleiben indem sie sich am Hangaufwind nach oben tragen lassen. Hat also auch sein gutes, der Föhn vor der Haustür…

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