Kolumne

Bertolt Brecht – Augsburger und Wahl-Berliner

Von: Anke Becker

Eugen Berthold Friedrich Brecht ist neben Jakob Fugger einer der berühmtesten Augsburger. Die meisten kennen ihn und seine Werke aus der Schulzeit: „Das Leben des Galilei“, „Mutter Courage und ihre Kinder“ oder „Der gute Mensch von Sezuan“ gehören zu den typischen Schullektüren der Oberstufe. Geboren wurde Brecht am 10. Februar 1898 in Augsburg und verstarb am 14. August 1956 in Ost-Berlin. Er ist ein deutscher Dramatiker und Lyriker, dessen Theaterstücke weltweit aufgeführt wurden.

Bertolt Brecht – Foto: Bundesarchiv, Bild 183-W0409-300 / Kolbe, Jörg / CC-BY-SA

Vater Berthold Friedrich Brecht arbeitete in gehobener Position in einer Papierfabrik, Mutter Sophie, geb. Brezing, stammte aus Württemberg und kümmerte sich um den schüchternen und kränkelnden Berthold. Trotz Herzleiden macht er am heutigen Peutinger-Gymnasium in Augsburg sein Abitur. Schon zu Schulzeiten schreibt er Gedichte, Erzählungen etc. für die Schülerzeitschrift und eckt mit seiner pazifistischen Einstellung bei der Schulleitung an.

Ab 1917 studiert Brecht in München, wird aber 1919 exmatrikuliert. Seine Freundschaft zu Karl Valentin, Lion Feuchtwanger und Arnolt Bronnen, an den auch die Schreibweise „Bertolt“ angelehnt ist, bringen ihn der literarischen Szene in Berlin näher. Er feiert mit „Trommeln in der Nacht“ erste Erfolge bei den Münchner Kammerspielen. Brecht entwickelt sich im Verlauf der 1920er Jahre zum Kommunisten und flicht sein neues politisches Gedankengut in seine Werke ein. Ab 1926 entwickelt er das „epische Theater“. In seinen Stücken versucht er, gesellschaftliche Strukturen aufzuzeigen und Anstoß zur Veränderung zu geben. Er schrieb aber nicht nur Theaterstücke, sondern auch Lieder, Gedichte, Romane, Kurzgeschichten und Erzählungen.

Das Geburtshaus Bertolt Brechts in Augsburg – Foto: Wolpertinger

1933 flüchtet Brecht mit seiner Familie (er hat inzwischen mit drei verschiedenen Frauen vier Kinder gezeugt) vor den Nationalsozialisten. Nach vielen verschiedenen Exilstationen reist er 1948 wieder in den sowjetisch besetzten Teil Deutschlands ein. Im Januar 1949 findet in Berlin die Uraufführung seines Stückes „Mutter Courage und ihre Kinder“ statt und wird ein großer Erfolg. Brecht brachte sich in der DDR als Kulturschaffender ein und wurde unter anderem mit dem Internationalen Stalin-Friedenspreis ausgezeichnet, da er sich an der Diskussion über die Ost-West-Konflikte beteiligte.

Bertolt Brecht starb am 14. August 1956 in seiner Wahlheimat DDR an Herzversagen und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin begraben. Augsburg hat seinem berühmten Sohn sein Geburtshaus im Lechviertel als Brechthaus und Gedenkstätte hergerichtet. Ein Besuch lohnt sich für alle, die einen tieferen Einblick in das Leben und die Person Brechts erhalten möchten.

1 Kommentar zu Bertolt Brecht – Augsburger und Wahl-Berliner

  1. Mario Ossano // 11. August 2012 um 13:05 //

    Naja, die Formulierung „brachte sich in der DDR als Kulturschaffender ein“ ist schon etwas verharmlosend dafür, dass Brecht die Niederschlagung des Aufstands von 1953 mit den Worten kommentierte: „Nur dem schnellen und sicheren Eingreifen sowjetischer Truppen ist es zu verdanken, daß [die Umsturzversuche] vereitelt wurden“.

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