Kolumne

So wurde um 1930 in Niederbayern geheiratet und gefeiert – Teil 2

Von: Tanja Ranzinger

foto-tanja-28Wer heiraten will, der muss früh aus den Federn, es steht ein langer Tag bevor. Das ist heute so und war früher nicht anders. Und auch durchgeplant war dieser besondere Tag bis ins Detail!

Um 8.00 Uhr morgens gab es das Morgenmahl welches als „Gaglhenn“ bezeichnet wurde.
Gereicht wurde:
Feine Brotsuppe – geröstete Brotwürfel wurden in einen tiefen Teller gegeben, darüber kam eine gute Fleischbrühe.
Dazu gab es gekochtes Rindfleisch mit Fleischsuppenkren

Um 10.00 Uhr fand dann der Kirchenzug zur Kirche statt und die Heilige Messe mit der Trauung des Brautpaares. Danach ging es im Messzug zum Gasthaus, zur großen Feier, wobei auf dem Weg dorthin das „Ofaschüssl renna“ stattfand.

Erst das gemeinsame Hochzeitsfoto, danach wurde ausgiebig gefeiert - Foto: © Foto: Dieter Schütz / PIXELIO

Erst das gemeinsame Hochzeitsfoto, danach wurde ausgiebig gefeiert – Foto: © Foto: Dieter Schütz / PIXELIO

Dazu stellten sich mehrere junge Männer und zwei ältere zu einem „Rennen“ auf. Dafür gingen sie etwa 200 Meter vom Gasthaus weg, der Hochzeitslader stellte sich mit seinem geschmückten Stecken ans Ziel. Demonstrativ richteten sich die Männer für das Rennen her, sie zogen ihre Jacken aus und krempelten die Ärmel ihrer Hemden hoch. Der Hochzeitslader gab das Zeichen zum Start und die übrigen Hochzeitsgäste feuerten die Teilnehmer kräftig an. Wer als erster den Stecken des Hochzeitsladers berührte, gewann das Rennen und hatte somit entweder das Mahl frei, oder bekam eine Flasche Schnaps.

Während die jungen Teilnehmer sich mühten, das Rennen zu gewinnen, versuchten die beiden älteren Teilnehmer besonders langsam die Rennstrecke zu bewältigen. Für den letzten gab es einen begehrten Trostpreis. Eine Schnupftabakdose und ein Paket Schnupftabak.

Um 13.00 Uhr wurde zum Mittagsmahl geladen. Es bestand aus 5 Gängen.

1.Gang
Backerbsensuppe aus Hefeteig – den Teig durch einen Spatzenseiher in schwimmendes Fett drücken, goldgelb werden lassen und in einem Sieb abtropfen lassen.
Die Backerbsen wurden mit einer guten Fleischbrühe übergossen. Dazu gab es Wollwürste oder Bratwürste. Aufgetragen wurde die Suppe in einer großen Hochzeitsschüssel, aus der sich jeder etwas nahm.

2.Gang
Lüngerl mit gebackenen Knödeln.

3.Gang
Schweinebraten mit Kartoffelsalat und Rahnensalat (Rote Beete)

4.Gang
Beauf á la mode und Semmelknödel

5.Gang
Sülzen oder saure Leber und Kartoffeln.

Nachspeise: Schmalzgebackenes

Natürlich wurde zwischen den Gängen ausgiebig getanzt. Dazwischen wurde die Braut gestohlen, dieser Brauch ist meistens der Höhepunkt bei einer Hochzeit. Vor allem wohl deshalb, weil es dabei besonders lustig zugeht. Zu späterer Stunde gab es dann endlich die Geschenke. Jeder Gast wurde einzeln verlesen und ausgesungen, bevor er seine Taler in den Geldsack steckte. Meist erst um Mitternacht, wurde dann das Brautpaar von der Musik ausgespielt, bevor es nach Hause ging und die Hochzeitsnacht feierte.

Wer nun Lust und Appetit bekommen hat, nach alter Tradition zu feiern, für den gibt es im 3. Teil die dazugehörigen Rezepte.

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