Kolumne

Neuburg bewacht Süddeutschland

Von: Harry Sochor

Von der einstigen Größe und Bedeutung der Stadt Neuburg an der Donau zeugt heute noch die malerische Altstadt mit der dominierenden Schlossanlage im Herzen der Stadt. Die Funktion als überregionaler Magnet für Bürger, Händler und Politiker hat die Stadt an der Nordgrenze Oberbayerns aber längst abgegeben, sie liegt am Schnittpunkt des Einzugsgebietes der Metropolen Augsburg und München und zu nahe an Ingolstadt. Geblieben sind der Sitz der Verwaltung des Landkreises Neuburg Schrobenhausen und ein militärischer Stützpunkt: Das Jagdgeschwader 74 der Bundeswehr ist hier stationiert und steht als Alarmrotte für Süddeutschland zur Verfügung.

Das Neuburger Schloss direkt an der Donau – Foto: Mendli

Neuburg an der Donau, nordöstlich von Augsburg und westlich von Ingolstadt gelegen, kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Zeugen der vergangenen Jahrhunderte sind noch heute in der malerischen Altstadt zu bewundern. Was Neuburg einzigartig macht: Sie liegt direkt an einer Gabelung der Donau, umgeben von einer einzigartigen Landschaft, wie dem Naturschutzgebiet Finkenstein im Norden.

Schon im frühen Mittelalter nahm Neuburg an der Donau eine herausragende Stellung in der Region ein. So war die Stadt schon unter Bischof Simpert von Augsburg (von 788 bis 809) kurzzeitig Bischofssitz. Anschließend wurde Neuburg zum zentralen Ort einer Pfalzgrafschaft. Im 10. Jahrhundert fiel dieses Lehen jedoch an die Grafen von Scheyern und somit direkt unter bayerische Herrschaft.

In der Neuburger Altstadt – Foto: KlausF

Eine wahre Blüte erlebte Neuburg zu Beginn des 16. Jahrhunderts. 1505 wurde nämlich das Herzogtum Pfalz-Neuburg gegründet, Neuburg wurde zum Zentrum dieser Herrschaft. In den folgenden Jahrhunderten hinterließen die Wirren jener Zeit auch ihre Spuren in Neuburg. So wurde die Stadt 1542 evangelisch, in den Jahren 1616 und 1617 erfolgte eine Gegenreformation und Anfang des 18. Jahrhunderts war Neuburg sogar ein Jahr lang faktisch die Residenz der Kurpfalz, bevor Karl III. Philipp den Kurfürstenhof nach Heidelberg umsiedelte.

Ab dem 19. Jahrundert verfiel die überregionale Bedeutung von Neuburg Zug um Zug. Zunächst war die Stadt noch ein wichtiges Zentrum für das Umland, doch spätestens ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde eine Behörde nach der anderen abgezogen. Lediglich als militärischer Stützpunkt kann Neuburg an der Donau seine Stellung bis heute bewahren. Hier ist nämlich das Jagdgeschwader 74 stationiert, das für den Schutz des süddeutschen Luftraumes verantwortlich zeichnet.

Das Obere Tor – Foto: Patrick Huebgen

Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts siedelte sich eine nennenswerte verarbeitende Industrie in Neuburg an. Trieben anfangs die Ausbeutung von Kieselerdevorkommen, aber auch die Glas- und Baustoffindustrie die wirtschaftliche Entwicklung voran, sind es heute in erster Linie Automobilzulieferer.

Einwohnermäßig wuchs die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem durch die Heimatvertriebenen, von denen sich 4.000 in Neuburg ansiedelten. In den Jahren nach dem Krieg wuchs die Stadt vor allem nach Süden und Osten.

Die kreisfreie Stadt (bis 1972) gehörte dem Regierungsbezirk Schwaben an. Sowohl die Stadt als auch Teile der Landkreise Neuburg und Schrobenhausen wuchsen mit der Gebietsreform zum Landkreis Neuburg-Schrobenhausen mit dem Verwaltungssitz Neuburg zusammen.

Besonders romantisch bei Nacht: der Donaukai – Foto: Zwoks-Stef

Neuburg an der Donau bietet seinen fast 25.000 Einwohnern und den Besuchern ein umfangreiches kulturelles Programm und zahlreiche Sehenswürdigkeiten aus der großen Vergangenheit der Kommune. Dazu zählt vor allem das Schloss, welches das Stadtbild maßgeblich prägt. Darüber hinaus beherbergt die Stadt sage und schreibe sieben verschiedene Theater und fünf Museen.

Zahlreiche Veranstaltungen machen Neuburg an der Donau zu einem Mekka für Besucher aus nah und fern. Zu den bekanntesten gehören das Schlossfest, das in zweijährigem Turnus am letzten Juni- und ersten Juliwochenende an die Zeit der Reinaissance erinnert. Bei diesem Anlass schlüpfen die Bürger in Kostüme aus der Reinaissance-Zeit. Historisches Markttreiben, Sänger, Barden, Landsknechte und höfisches Gefolge prägen an den Festtagen das Gesicht der Stadt.

Die Barockkonzerte im Herbst sprechen vor allem musikalisch interessierte Gäste an, während sportlich interessierte Besucher im Winter auf ihre Kosten kommen. Denn Neuburg an der Donau beherbergt das größte Winterschwimmen Europas, bei dem die Sportler im eisigen Wasser eine Strecke von rund vier Kilometern zurück legen müssen.

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