Kolumne

Die Lieblingseiche von König Ludwig I.

Von: Karola Schmitt

Ein Denkmal der besonderen Art steht im Ortsteil der unterfränkischen Stadt Bad Brückenau mit dem Namen Staatsbad Brückenau. Bis zum vergangenen Jahrhundert befand sich die uralte Eiche direkt im Kurpark. Heute liegt der Kurbereich in etwa 200 Metern Entfernung jenseits einer in der Zwischenzeit erbauten Staatsstraße. Bis zum Zentrum der Stadt Bad Brückenau sind es von der König-Ludwig-Eiche aus drei Kilometer. Im “Deutschen Baumarchiv” ist die König-Ludwig-Eiche als ein national bedeutsamer Baum gelistet.

Die König-Ludwig-Eiche in Bad Brüggenau – Foto: Rainer Lippert

Bereits im 15. Jahrhundert machte sich die Stadt Bad Brückenau aufgrund ihrer Heilquelle einen Namen. Später fanden sich auch viele Adelige und gekrönte Häupter aus dem In- und Ausland zu einem Kuraufenthalt in Bad Brückenau ein. König Ludwig I., der von 1786 bis 1868 lebte, zählte zu ihnen. Er hielt sich gerne in direkter Nähe des damals schon imposanten Gewächses auf, was dem Baum die Bezeichnung „Königseiche“ bescherte. Eine angebrachte Holztafel weist heute darauf hin, dass König Ludwig I. zahlreiche schöne Stunden im Schatten der Eiche verbrachte.

Wie alt ist die König-Ludwig-Eiche?

Innen hohl, die mächtigen Äste müssen teilweise gestützt werden – Foto: Rainer Lippert

Obwohl der Baum unter anderem auch tausendjährige Eiche genannt wird, gehen Forstwissenschaftler und die Naturschutzbehörde von einer kürzeren Lebenszeit des Baumes aus. Eine Jahresringzählung, die Gewissheit verschaffen könnte, ist nicht mehr möglich, da das Innere des Stammes zum großen Teil hohl ist. Somit bleibt nur die Schätzung unter Zugrundelegung des Stammumfangs von etwa sieben Metern. Ausgehend, dass eine Eiche jährlich 1,2 cm an Umfang zulegt, kommt man auf ein Baumalter zwischen 500 und 600 Jahren.

Erhaltungsmaßnahmen für die König-Ludwig-Eiche

Vor etwa 50 Jahren brach einer der Hauptäste aus dem Stamm heraus und hinterließ einen 60 Zentimeter breiten und nahezu vier Meter hohen, klaffenden Spalt. Seitdem tragen verschiedene Maßnahmen zur Erhaltung des Baumes bei. So wurde alles morsche oder mit Pilzen befallene Holz entfernt. Zur Entlastung des Stammes sorgen innerhalb des Hohlraums angebrachte Gewindestäbe und Stützen aus Eisen. Stahlseile dienen der Kronensicherung. Ein Fachbetrieb kümmert sich um die regelmäßige Pflege und kontrolliert dabei die alten Wunden. Aufgrund des gesunkenen Grundwasserspiegels und der heißen Sommer in letzter Zeit erhält die König-Ludwig-Eiche bei Bedarf zusätzliche Wässerungen. Um einer weiteren Bodenverdichtung rund um den Stamm entgegen zu wirken, hat man die im 19. Jahrhundert errichtete Sitzbank entfernt. Ein beschauliches Ausruhen im Schatten des Eichenlaubes ist somit leider nicht mehr möglich.

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