Kolumne

Bayreuth – so klein und doch so groß

Von: Sebastian Herbst

foto-sebastian-2Am Beispiel von Bayreuth, dem Sitz der oberfränkischen Regierung und größten Stadt im Regierungsbezirk kann man sehr gut zeigen, dass Größe eben doch nicht alles ist. Denn mit seinen 72.935 Einwohnern wirkt der zwischen Fichtelgebirge und der Fränkischen Schweiz eingebettete Ort doch eher spärlich besiedelt und geht in Statistiken gerne unter – kann sich Bayreuth bayernweit immerhin noch als neuntgrößte Stadt behaupten, so stapeln sich in der Gesamtansicht für Deutschland dutzende Einträge vor ihr.

Die Eremitage - Foto: © Heidi K. / PIXELIO

Die Eremitage – Foto: © Heidi K. / PIXELIO

Und dennoch, Bayreuth ist weltbekannt und jährlich strömen abertausende von Besuchern aus allen Herren Ländern nach Oberfranken, um einmal dabei zu sein – bei den Bayreuther Festspielen, die seit 1876, lediglich unterbrochen in der Zeit der Nachkriegswirren, im eigens dafür entworfenen Festspielhaus auf dem Grünen Hügel stattfinden. Und genau in dieser Zeit, jährlich vom 25. Juli bis zum 28. August, erwacht die doch zunächst so unscheinbar wirkende Stadt zum Leben und erhält einen ähnlichen Stellenwert wie die Landeshauptstadt München zur Zeit des Oktoberfestes.

Doch es wäre fatal, Bayreuth nur auf die Festspiele zu begrenzen, wird doch noch eine Menge mehr geboten, historisch wie auch aktuell. So musste sich der 1194 erstmals als Dorf erwähnte Ort in seiner Geschichte gegen eine Menge Widrigkeiten verteidigen, angefangen bei schweren Verwüstungen seitens der revolutionierenden Strömung der Hussiten über mehrere fatale Stadtbrände bis hin zur Pest.

Das Freimaurer-Museum - Foto: © Harald-KU / PIXELIO

Das Freimaurer-Museum – Foto: © Harald-KU / PIXELIO

Und trotz all dieser Umstände muss sich Bayreuth heute nicht verstecken. Wer nicht gerade während der Festspiele kommt, kann abseits jeglicher Hetze in aller Ruhe die historischen Gebäude und Anlagen auf sich wirken lassen, angefangen bei der Eremitage, dem Neuen Schloss oder der Ordenskirche St. Georgen, um nur einige wenige zu nennen. Wem das allein nicht ausreicht, der kann auch eines der unzähligen Museen in und um Bayreuth besuchen, so zum Beispiel das Richard-Wagner-Museum oder das Deutsche Freimaurer-Museum.

Abgerundet wird das Stadtbild durch die Universität, die, 1975 gegründet, als eine der jüngsten Universitäten Deutschlands zwar weder auf eine lange Geschichte noch auf altehrwürdige Gemäuer stolz sein kann, sich jedoch in dieser relativ kurzen Zeit zu einer international ausgerichteten Bildungsinstitution mit knapp 10.000 Studierenden gemausert hat.

Damit wird Bayreuth schlussendlich auch nicht größer – doch wer achtet auch schon auf plumpe Zahlen, wenn es herausragende innere Werte zu bewundern gilt?

1 Kommentar zu Bayreuth – so klein und doch so groß

  1. Benjamin Truchel // 3. Februar 2011 um 16:16 //

    Bayreuth wird ja immer als Wagner-Stadt bezeichnet. Als ich noch jung war und mich noch nicht so um diese Dinge gekümmert habe, dachte ich immer, der Wagner stammt aus Bayreuth. In der Schule habe ich dann gelernt, dass er ja hier “nur” gewohnt hat. Aber immerhin hat er uns das Festspielhaus hingestellt und natürlich auch die eine oder andere Oper komponiert. Übrigens: Wer mal eine Aufführung bei den Bayreuther Festspielen besuchen möchte, der hat aktuell eine Wartezeit von fünf Jahren – oder so…

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