Kolumne

Altenkunstadt, die alte neue Gemeinde

Von: Sebastian Herbst

Altenkunstadt trägt seinen Namen verdientermaßen – die Gründung erfolgte wohl kurz nach 800 mehr oder weniger zeitgleich mit der Gründung der katholischen Kirche von Altenkunstadt, die somit eine der Urpfarreien Oberfrankens darstellt. Die Kirche, die die Gläubigen und Touristen hier heute noch aufsuchen, ist zwar mit einem Erstbau um 1100 als Wehrkirche nach wie vor sehr alt, doch den Urbau aus dem frühen Mittelalter sucht man vergebens. Zudem musste auch die neu errichtete Wehrkirche einige Umbauten über sich ergehen lassen, bis im Jahre 1537 die endgültige Form stand, wie wir sie heute noch vorfinden.

Das älteste Gebäude in Altenkunstadt: die katholische Kirche – Foto: Benreis

Auch ansonsten sind aus der Uhrzeit von Altenkunstadt im Grunde keine Überbleibsel mehr vorhanden. Selbst die Schule aus dem 15. Jahrhundert wurde später abgerissen, um den Unterricht 1854 in ein Haus zu verlegen, das heute das Rathaus von Altenkunstadt darstellt. Zu diesem Zeitpunkt gehörte man übrigens bereits durch die Säkularisation 1803 zu Bayern und zählte, dank des Gemeindeedikts im Jahre 1818, auch als Gemeinde Altenkunstadt.

Neben der Pfarrkirche gibt es so als aussagekräftige Zeugen der Vergangenheit wohl nur noch die Synagoge aus dem Jahre 1726 zu erwähnen, die in besonderem Maße den ehemaligen großen Teil der jüdischen Bevölkerung in Altenkunstadt darstellt.

Altenkunstadt ist wohl eines der besten Beispiele überhaupt, wie schnell sehr wenig von der Geschichte übrig bleiben kann, wenn man nicht auf sie achtet. Deshalb verkommt die Gemeinde aber nicht zum Mahnmal – die insbesondere im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts neu erbauten Gebäude erwecken ebenso den Eindruck, an einem kulturell bedeutsamen Ort zu sein – auch wenn es kein Museum gibt. Doch sind wir einmal ehrlich – manchmal tut es ein wunderbarer Anblick, ein Weißbier und eine deftige Brotzeit genauso.

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