Kolumne

Zirndorf: Mehr als Playmobil und Gabriele Pauli

Von: Tilman Weigel

Kinder kennen Zirndorf wegen Playmobil, Erwachsene wegen Gabriele Pauli. Das ist zugegebenermaßen ziemlich verkürzt. Für eine Mittelstadt mit 25.000 Einwohnern gibt es nämlich erstaunlich viele Gründe, warum man Zirndorf kennen könnte. Beispielsweise wegen der Metz-Werke, einem der letzten verbliebenen deutschen Hersteller von Fernsehgeräten und Unterhaltungselektronik, der ausschließlich in Zirndorf produziert. Oder als Geburtsort des Stararchitekten Helmut Jahn. Noch mehr mediale Aufmerksamkeit brachte dem mittelfränkischen Städtchen das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge, das von 1955 bis 1996 in der ehemaligen Zirndorfer Gendarmeriekaserne seinen Sitz hatte.

Die Kirche St. Rochus – Foto: Keichwa

Das Bundesamt, das den Namen Zirndorf vor allem Anfang der 1990er Jahre in der Diskussion um den sogenannten Asylkompromiss in die Medien brachte, ist mittleweile nach Nürnberg umgezogen. Dafür holte die damalige Landrätin Gabriele Pauli 2003 die Verwaltung des Landkreises Fürth aus der namensgegeben Großstadt in ihren Heimatort.

Die Anfänge

Aber der Reihe nach. Menschen haben im Biberttal vermutlich schon in der Jungsteinzeit gelebt. Doch erst 1297 wurde der Ort Zirndorf urkundlich erwähnt. Damals stand hier eine Burg, die allerdings schon 1388 zerstört worden war.

Internationale Aufmerksamkeit bekam Zirndorf bereits 1632, lange vor Playmobil und Gabriele Pauli. Allerdings hätten die Zirndorfer darauf vermutlich gerne verzichtet. Denn 1632 trafen in der Schlacht an der Alten Veste die Heere des kaiserlichen Feldherrn Albrecht von Wallenstein und des Schweden Gustav Adolf mit mehreren 10.000 Soldaten aufeinander. Als die Truppen wieder abzogen, war Zirndorf, wie viele Orte der Region, zerstört.

Der Playmobil-Fun-Park – Foto: Manuela2

Geholfen hat dem Ort nicht zuletzt die Errichtung des hochfürstlichen Brauhauses durch den Markgrafen Johann Friedrich von Ansbach im Jahr 1674. Eine Methode der Wirtschaftsförderung, die mittlerweile leider etwas aus der Mode gekommen ist. Wo Bier war, da war Gewerbe, und so siedelten sich eine Reihe Handwerker an und verhalfen dem Ort zu neuem Leben.

Die Neuzeit

1840 begann die Industrialisierung des Dorfes. Produziert wurde Spielzeug. 1877 verlieh König Ludwig II. dem Ort das Marktrecht, 1912 wurde Zirndorf Stadt. 1913 wurde von der Firma Lorenz Bolz der Brummkreisel erfunden.

1958 brachte die Zirndorfer Industrie wieder ein neues Spielzeug auf den Markt. Die ehemalige Metallwarenfabrik Georg Brandstätter, die vor kurzem die Produktion von Artikeln wie Spardosen und Telefonen von Blech auf Kunststoff umgestellt hatte, brachten den Hula-Hoop-Reifen nach Deutschland.

Die Alte Veste – Foto: Holger Schossig

Es war das gleiche Unternehmen, in dem rund 25 Jahre später der Entwickler Hans Beck kleine Männchen aus Plastik erschuf. Als 1973 im Zuge der ersten Ölkrise die Preise für Rohöl auf bis zu fünf US-Dollar je Barrel kletterten (heute liegen sie bei etwa 100 US-Dollar), schlug die Stunde der kleinen und damit rohstoffsparenden Männchen, schon ein Jahr später kamen sie unter dem Namen Playmobil auf den Markt.

Seit 2000 gibt es in Zirndorf nicht nur die Verwaltung (produziert werden die Männchen überwiegend in Dietenhofen bei Ansbach), sondern auch den Playmobil Fun Park. Seitdem hat sich die Zahl der Übernachtungen in dem Ort mehr als verdreifacht.

Ansehen können Touristen außer der Alten Veste und dem Playmobil-Park auch die Stadt selbst. Obwohl bis 1877 nur ein Dorf, gibt es eine vergleichweise große Altstadt mit den für Franken typischen Fachwerkhäusern. Sehenswert sind beispielsweise das historische Badhaus, das Preßleinshaus oder die St. Rochus Kirche.

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