Kolumne

Königlich reisen

Von: Tilman Weigel

König Ludwig I. hielt nicht viel von diesem neumodischen Verkehrsmittel aus England. Zwar trug die erste deutsche Eisenbahn, die am 7.12.1835 von Nürnberg nach Fürth fuhr, den Titel „Königlich privilegierte Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft„, doch sie war eine private Initiative. Gerade mal zwei Aktien kaufte der bayerische Staat.

Die erste deutsche Eisenbahn: der Adler – Foto: Magnus Gertkemper

Erst 1844, elf Jahre nach Gründung der Gesellschaft zur Errichtung einer Eisenbahn mit Dampffahrt zwischen Nürnberg und Fürth, wurde die Königlich Bayerische Staatseisenbahn gegründet. Bereits 1841 hatte man allerdings einen Vertrag mit dem Königreich Sachsen über den Bau einer Strecke von Leipzig über Hof nach Nürnberg geschlossen und die Königliche Eisenbahnbau-Kommission zu Nürnberg geründet. 1843 begannen die Bauarbeiten zur Ludwig-Süd-Nord-Bahn, die auf bayerischer Seite von Lindau über Augsburg und Nürnberg nach Hof führte.

Der erste reguläre Zug der Staatseisenbahn dampfte allerdings am 1. Juni 1846 auf der Strecke von Augsburg nach München. Die war bereits 1840 von einem privaten Eisenbahnunternehmen fertig gestellt und nun verstaatlicht worden. Wenig später, am 1. September fuhr dann der erste Zug auf einer „echten“ Staatseisenbahnstrecke, als der Abschnitt der Ludwig-Süd-Nord-Bahn zwischen Bamberg und Nürnberg für den Güterzugverkehr freigegeben wurde.

So reiste man früher: der Salonzug König Ludwigs II. – Foto: Thomas Hermes

Drei Hauptstrecken betrieb die Königliche Eisenbahn, neben der von Lindau nach Hof noch die Ludwigs-Westbahn von Bamberg nach Aschaffenburg und die Maximilliansbahn, eine Verlängerung der verstaatlichten Strecke von München nach Augsburg und dann  nach Ulm im Westen und nach Salzburg und Kufstein im Osten. Später kamen durch Verstaatlichungen weitere Strecken hinzu, beispielsweise die der Regensburger Ostbahn, die vor allem in Niederbayern, der Oberpfalz und Franken mehrere Linien betrieb, sowie die Pfalzbahnen in der einst noch bayerischen Rheinpfalz.

Die DRG-Baureihe 05, die schnellste deutsche Dampflok – Foto: Urmelbeauftragter

Vieles war damals anders. Statt ICEs waren Dampflokomotiven auf den Strecken unterwegs, die Uniformen waren prächtiger und die Eisenbahn war das Verkehrsmittel schlechthin. Autos und Flugzeuge gab es kaum, mit dem Zug reisten Generaldirektoren und Minister ebenso wie Arbeiter und Angestellte – sofern sie es sich leisten konnten und nicht zu Fuß gehen mussten. Damit man sich nicht zu nahe kam, gab es damals noch drei Klassen, in Preußen war sogar vier. Alle drei waren streng voneinander getrennt, in den großen Bahnhöfen gab es nach Wagenklasse getrennte Wartebereiche. Die Erste Klasse war ungleich aufwendiger gestaltet als heute – was auch daran liegt, dass 1956 die damalige Erste Klasse abgeschafft und die Zweite in Erste Klasse umbenannt wurde.

Damals gab es die Bayerischen Staatseisenbahnen aber schon lange nicht mehr. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Sie in die Reichsbahn integriert, wobei die Bayerischen Strecken bis 1933 als einzige ehemaliger Länderbahn noch eine gewisse Eigenständigkeit behielten. Eine Reihe von Relikten aus der Staatseisenbahnzeit kann man heute noch im DB-Museum in Nürnberg sehen, unter anderem alte Wagen und Lokomotiven wie die Nordgau. Und seit der Bahnreform gibt es auch wieder eine Reihe von Eisenbahngesellschaften, die ein „Bayerisch“ im Namen tragen.

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