Kolumne

Ingolstadt – die jüngste Großstadt Deutschlands

Von: Eranie Funderburk

Seit über 1200 Jahren existiert die Stadt Ingolstadt an der Donau. 2006 wurde das 1200-jährige Jubiläum gefeiert und die etwa 124.000 Bewohner sind stolz darauf, dass ihre Stadt die zweitgrößte Stadt Oberbayerns, die sechstgrößte Stadt Bayerns und seit 1989 die jüngste Stadt Deutschlands ist.

Der Rathausplatz von Ingolstadt – Foto: Brian Clontarf

Die kreisfreie Stadt Ingolstadt besteht aus zwölf Stadtbezirken und 61 Unterbezirken. Die Ingolstädter Altstadt besteht aus vier Altstadtbezirken und dem Unterbezirk Brückenkopf. Diese wird vom inneren Grüngürtel umgeben. Die Kernstadt wird unterteilt in die Bezirke Nordost, Nordwest, Südwest und Südost. Der äußere begrünte Befestigungsgraben, auch Glacis genannt, umgrenzt diese Gebiete. Um die Stadt herum sind die Bezirke Süd, West, Mailing, Etting und u.a. die Stadtteile Rothenturm, Niederfeld, Oberhaunstadt, Unterbrunnenreuth, Unterhaunstadt, Zuchering angesiedelt. Geteilt wird die Stadt durch die Donau. Sie fließt zwischen dem Norden und dem Süden Ingolstadts.

Südwestlich der Donau findet man das Gebiet „Donaumoos“ und im Osten erstrecken sich die „Auwälder“. Der Fluss „Sandrach“ fließt durch das südliche Stadtgebiet und die „Schutter“ fließt durch den Norden der Stadt.

Drei Landkreise grenzen an die Stadt Ingolstadt an. Der Landkreis Eichstätt, der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm und der Landkreis Neuburg Schrobenhausen. Man zählt diese vier Gebiete zur Planungsregion Ingolstadt. Der Freistaat Bayern wurde 1972 in 18 Planungsregionen eingeteilt. Die Planungsregion Ingolstadt ist die Nummer 10. Grundlage dieser Einteilung ist das Bayerische Landesplanungsgesetz von 1970.

Ingolstadts bewegte Geschichte

Die westliche und nördliche Altstadt – Foto: Brian Clontarf

Frühe archäologische Funde wurden in der Nähe der Stadt in Irgertsheim, Etting und Gerolfing gefunden. Einige Entdeckungen aus der Jungsteinzeit wurden in den Vororten der Stadt Ingolstadt gefunden. In Ingolstadt selbst fand man Spuren aus der Bronzezeit, zum Beispiel mehrere Gräber, Urnenfeldgräber und ein Bernsteincollier. Das Collier wurde bei Ausgrabungen auf dem Audi AG Gelände im Jahre 1996 entdeckt. Natürlich machte man auch einige Entdeckungen aus der Eisenzeit. Sogar die größte keltische Siedlungsanlage wurde bei Manching, etwa 1,5 Kilometer von Ingolstadt entfernt, gefunden. Auch in der Stadt selbst wurden einige kleinere Kelten-Ansiedlungen ausgegraben.

Die Römer kamen etwa 1500 vor Christus nach Ingolstadt. Das Gebiet zählte zur Provinz Rätien. Bei Oberstimm kann man an der Stadtgrenze ein römisches Kastell besuchen, das etwa 50 Jahre nach dem Feldzug von Drusus gebaut wurde. Etwa 20 Kilometer vom Kastell entfernt befindet sich der Limes. Landhäuser, Wege und weitere Bauten der römischen Besatzungen wurden in mehreren Gemeinden und Stadtgebieten in und um Ingolstadt herum gefunden.

Der Turm Triva, heute Sitz des Polizeimuseums – Foto: Brian Clontarf

Im Jahre 806 wurde Ingolstadt erstmalig urkundlich erwähnt. Karl der Große legte in der Reichteilungsurkunde fest, dass sein Sohn die „Villa Ingoldesstat“ erben wird. 1250 wurde Ingolstadt zur Stadt ernannt. Zwischen 900 und Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Siedlung zerstört. Leider gibt es darüber keine schriftlichen Belege.

Wissenschaftler vermuten einen Großbrand oder die Zerstörung durch die Ungarn im 10. Jahrhundert nach Christus. In der Zeit zwischen 1260 und 1340 entstand das Wappen der Stadt Ingolstadt. Das Wappen besteht aus einem rot bewehrten, Feuer speienden blauen Panther auf silbernen Grund. Die Stadtflagge hat vier gleich breite, horizontal verlaufende  Streifen in den Farben weiß-blau-weiß-blau, sowie ein Seitenverhältnis von 3:5. Im Zentrum zeigt sie das Stadtwappen auf weißem Grund. Bei der Bannerflagge verlaufen die vier vertikale Streifen und das Seitenverhältnis ist  5:2.

Die Donau teilt Ingolstadt in zwei Hälften – Foto: Brian Clontarf

Von 1392 bis 1447 war die Stadt Hauptstadt des Herzogtums Bayern-Ingolstadt. Stephan III regierte in dieser Zeit das Herzogtum. Sein Sohn, Ludwig VII. kümmerte sich um die Stadterneuerung und ließ das Neue Schloss und das Liebfrauenmünster bauen. Ludwig VIII. lieferte 1447 seinen Vater Ludwig VII. an Heinrich XVI. aus und so fiel Bayern-Ingolstadt an das Herzogtum Bayern-Landshut.

Im März 1472 weihte Herzog Ludwig IX. die erste bayerische Universität, die „Hohe Schule“, in Ingolstadt ein. 1516 erließ Herzog Wilhelm IV. hier das bayerische Reinheitsgebot für das Brauen von Bier. 1632 belagerten die Schweden die Stadt. Der Illuminatenorden wurde 1776 ins Leben gerufen. 1799 zog die französische Revolutionsarmee in Ingolstadt ein und die Universität wurde geschlossen. 1881 beginnt in Ingolstadt das Zeitalter der Industrialisierung und die ersten Gießereien werden gegründet. 1935 beginnt der Bau der Autobahn Ingolstadt – München und Ingolstadt – Nürnberg.

1958 die Auto Union zieht nach Ingolstadt. 1989 wird die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt eröffnet und 1994 die Fachhochschule in der Hohen Schule. Seit 2003 gibt es die Donautherme Wonnemar und seit 2005 kann man im Ingolstadt Outlet Shopping Village günstig Markenkleidung einkaufen.

Zu sehen gibt´s eine ganze Menge

Das Audi Forum – Foto: Christian Karl

Einen Besuch wert sind die verschiedenen Sehenswürdigkeiten und die mehr als 13 Museen in der Stadt. Zu den schönsten und geschichtsträchtigsten Museen gehört das Stadtmuseum, das Deutsche Medizinhistorische Museum, das Bayerische Armeemuseum und das museum mobile der Audi AG. Moderne Kunst kann man sich im Museum für Konkrete Kunst ansehen. Das Bayerische Polizeimuseum ist das jüngste Museum der Stadt und wurde 2009 eröffnet.

Die schönsten Bauten sind die Moritzkirche, der Herzogskasten, das Kreuztor, der Taschenturm und der Münzbergstor. Das Alte Rathaus, das Neue Schloss und das Münster Zur Schönen Unserer Lieben Frau sind ebenfalls sehr sehenswert. Viele weitere Bauten warten darauf, ebenfalls bei einem Spaziergang durch die Stadt entdeckt zu werden.

Wer lieber im Grünen verweilt, für den sind der Klenzpark, der Luitpoldpark, der Auwald und die vielen Seen und Weiher einen Besuch wert. Auch der äußere und innere Grüngürtel lässt das Herz eines Naturfreundes höher schlagen.

Der Ingolstädter Adam Weishaupt gründete den Illuminatenorden

Zu den größten Arbeitgebern der Stadt gehören die Audi AG, die EADS, die Firma Rosner, die Media-Saturn Holding, die Schubert & Salzer Gruppe, Nordbräu, Herrnbräu, Westpark Bräu und viele mehr.

Einige der berühmtesten Persönlichkeiten der Stadt Ingolstadt sind der Entdecker der Sonnenflecken Christoph Scheiner, die Begründer der Realschule Ludwig Fronhofer und Johann Adam von Ickstatt. Adam Weishaupt, der Schöpfer des Illuminatenordens und Horst Seehofer, Ministerpräsident des Freistaats Bayern.

Ingolstadt ist IN“ – Jeder der in Ingolstadt an der Donau einmal zu Gast war, der wird diese wundervolle Stadt niemals vergessen. Wer sich ebenfalls einmal verzaubern lassen möchte, der muss einfach mal vorbeischauen!

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