Kolumne

Halt, hier Grenze!

Von: Tilman Weigel

Meine Großeltern waren Heimatvertriebene und damit stramme Anti-Kommunisten. Schon früh stand deshalb für mich ein Ausflug an die „Zonengrenze“ auf dem Programm, die Grenze zwischen Deutschland und Deutschland, BRD und DDR, Ost und West.

In Bayern war die Ost-West-Grenze allerdings mehr eine Nord-Süd-Grenze. Was einige Bayern auf Gedanken gebracht haben mag, dass etwas weniger Grenze zur DDR und dafür etwas mehr zu den anderen nördlichen Bruderstämmen besser gewesen wäre. Und einen ganz nebenbei daran erinnert, dass München oder gar Regensburg östlich von Erfurt liegen.

Zonengrenze von 1961 – 1990 – Foto: Elkawe

Bayerns Grenze zur Deutschen Demokratischen Republik begann in der Nähe von Fladungen in Unterfranken und zog sich bis in die Nähe von Hof. Dabei verlief sie nicht genau von Ost nach West, so dass Ludwigsstadt zu Bayern gehörte (und natürlich auch noch gehört), das südwestlich gelegene Sonneberg aber zur DDR. Heute entspricht die ehemalige innerdeutsche Grenze im Wesentlichen der zwischen Thüringen und Bayern, nur ganz im Osten, im Vogtland, grenzt Bayern an Sachsen.

Schon ab 1952 riegelte sich die DDR ab, ab 1954 gab es zwischen der DDR und der Bundesrepublik ein Sperrgebiet. Die Verbindung war also schon vor dem Bau der Berliner Mauer 1961 unterbrochen. Bis zum Schluss der DDR zog sich ein Zaun entlang der Grenze zu Ober- und Mittelfranken. Hier ging es nicht so heiß her wie in Berlin, aber gestorben sind auch an der bayerischen Grenze zahlreiche Flüchtlinge.

DDR-Grenzstein – Foto: Andreas Praefcke

Der Zaun stand allerdings nicht entlang der Grenze, sondern auf dem Gebiet der DDR. Die eigentliche Grenze wurde durch Grenzsteine markiert. Weiß-blau auf der einen, schwarz-rot-gold mit dem Wappen der DDR auf der anderen Seite. Irgendwo dazwischen verlief die Grenze. Das gab mir als westdeutschem Kind die Möglichkeit, zumindest mal einen Fuß in die DDR zu setzen, tatsächlich besucht habe ich sie erst im Frühjahr 1990.

Heute verläuft hier das grüne Band. Denn weil es entlang der Grenze keine Intensivlandwirtschaft, keine Bebauung und keine Straßen gab, haben viele Pflanzen und Tiere hier ein Refugium gefunden. Wer lieber Türme und Zäune besichtigen will, hat an vielen Stellen noch immer die Gelegenheit, sei es bei Fladungen im Dreiländereck Thüringen-Bayern-Hessen oder im deutsch-deutschen Museum Mödlareuth, einem kleinen Ort bei Hof, durch den 41 Jahre lang die deutsch-deutsche Grenze verlief.

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