Kolumne

Die Bildeiche bei Albertshausen als Naturdenkmal

Von: Karola Schmitt

Schon unsere Vorfahren waren von der mächtigen Gestalt einer Eiche beeindruckt. Bei den Kelten nahm diese Baumart sogar eine bevorzugte Stellung ein. Wuchsen in in der Krone einer Eiche Misteln, war das ein sicheres Zeichen, dass sich Götter auf dem Baum befanden. Aber auch die Germanen verehrten Eichen als heilige Bäume. Besonders schöne Exemplare weihten sie ihrem Donnergott Donar. Eine mittlerweile sehr alte Eiche steht etwa einen halben Kilometer von Albertshausen, einem Stadtteil von Bad Kissingen, entfernt. Sie bekam den Namen Bildeiche, weil sie einst mit einem Marienbild versehen war. Dieses Bildnis soll Überlieferungen zufolge sogar in den Stamm eingewachsen sein, so dass Rinde und junges Holz den Rahmen bildeten. Heute ist davon an dem Naturdenkmal nichts mehr zu sehen.

Der Erzengel Michael als Schutzpatron

Die mächtige Bildeiche von Albertshausen – Foto: Rainer Lippert

Im Jahre 1933 ließ der damalige Jagdpächter eine Statue des Erzengels Michael herstellen und in einer Höhe von 2,50 Metern am Stamm der Eiche anbringen. Anlässlich einer feierlichen Prozession wurde die Figur eingeweiht. Ein Dieb hatte sie dann allerdings später entwendet. Nachdem der Erzengel Michael in Fulda wieder auftauchte, erhielt die Bildeiche nur noch eine Kopie der Figur. Das Original kann in der Pfarrkirche besichtigt werden. Die Bildeiche sollte mit dem Anbringen der Statue eigentlich ihre Bezeichnung wechseln. Der neue Name Michaelseiche wurde aber von der Bevölkerung nicht angenommen. Schon zur Einweihung verkündete eine neben der Figur angebrachte Tafel, dass der Heilige Michael als Schutzpatron auserkoren war. Diese Tafel hat man in der Zwischenzeit durch eine neue Ausführung ersetzt. Auf der Statue selbst befindet sich die Aufschrift: „QUIS UT DEUS“, was aus dem Lateinischen übersetzt „Wer ist wie Gott?“ heißt.

Das Aussehen der Bildeiche

An der Eiche wurde ein Bildnis des Erzengels Michael angebracht – Foto: Rainer Lippert

Der aktuelle Umfang der gigantischen Eiche beträgt beachtliche 7,96 Meter. Dieses Maß wurde 1,30 Meter oberhalb des Bodens gemessen. Nach unten hin ist der Stamm, der bis zu einer Höhe von 6 Metern keine Äste besitzt, sogar noch dicker. Die Eiche ragt 24 Meter hoch zum Himmel. Die gesamte Krone kommt auf einen Durchmesser von 19 Metern. Alle unteren Äste brachen im Laufe der Jahre komplett ab. Der hohle Stamm hat eine 2,5 Meter lange, schmale Öffnung, die anlässlich einer Baumpflegemaßnahme mit einem Geflecht aus Draht geschlossen wurde. Das Entfernen des morschen Holzes und die Behandlung mit fungiziden Mitteln waren gleichfalls Teil der Baum erhaltenden Schritte. Bis zum Jahre 1810 war die Bildeiche von Wald umgeben. Bei den damals stattgefundenen Rodungsarbeiten, die der Erweiterung der landwirtschaftlichen Fläche dienten, blieb die Bildeiche verschont. Seitdem steht sie als Einzelbaum in der offenen Flur, umrahmt von einer Hainbuchenhecke.

Das Alter der Bildeiche

Über das Alter der Bildeiche sind sich die Fachleute uneins. Während die Untere Naturschutzbehörde von etwa 380 Jahren ausgeht, nimmt der namhafte Forstwissenschaftler H. J. Fröhlich an, dass die Bildeiche bei Albertshausen bereits ein Lebensalter von 700 bis 800 Jahren aufweist. Innerhalb der letzten 20 Jahre legte der Baum in seinem Umfang pro Jahr ca. 2 Zentimeter zu. Hochgerechnet auf den jetzigen Stammumfang, würde man auf ein Alter von knapp 400 Jahren kommen. Diese Berechnung geht allerdings davon aus, dass die Umweltbedingungen stets den heutigen entsprachen.

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