Kolumne

Die Altneihauser Feierwehrkapell’n

Von: Tilman Weigel

Es ist immer wieder Anlass für Spot: ausgerechnet eine der berühmtesten Gruppen des Frankenfaschings in Veitshöchheim kommt aus Altbaiern – und lästert ausgesprochen gerne über Bayerns nördlichsten Volksstamm, die „geschätzte[n] arme in Geist und in Gedanken, hoffnungslose Franken“.

So kennt man sie und so liebt man sie, natürlich auch in Franken – Foto: Christian Höllerer

Die Angesprochenen verzeihen den Oberpfälzern immer wieder. Vielleicht, weil der Franke eigentlich ein Masochist ist, wie Norbert Neugirg, der Kopf der Gruppe mutmaßt. Vielleicht auch, weil man sich verstanden fühlt, wenn der Kommandant von den werten „münchenferne Landesflanken, der bay’rischen Sahara Franken“, dem „liebe[n] und vom Zukunftsrat, Bayerns totgesagte[m] Land im Staat“ spricht. Oder weil die Feierwehrkapell’n noch lieber als über die Franken über die Staatsregierung und die Münchner herzieht und recht deftig reimt „Der Zukunftsrat aus Oberbayern, hat Dioxin in seinen Eiern, und das reicht bis ins Hirn hinauf, drum hört in München Bayern auf“.

Denn bekanntlich eint nichts mehr als ein gemeinsamer Gegner und immerhin liegen beide Regionen nördlich des Weißwurstäquators. So kommt es, dass die Altneihauser Feierwehrkapell’n beim Frankenfasching nicht nur geduldet wird, sondern 2006 sogar von dessen Organisatoren gezielt engagiert wurde.

Der Kopf der Kapelle, der Kabarettist Norbert Neugirg – Foto: Sigismund von Dobschütz

Da gab es die Kapelle bereits seit über 20 Jahren. Trotzdem stehen bis heute bis auf „Kommandant“ Norbert Neugirg alle Ensemblemitglieder nebenberuflich auf der Bühne. Waldhornspieler Stefan Schricker ist Bautechniker, Tubist Rupert Beer ist Bauer und der Trompetenspieler Josef Treml ist Elektriker.

Dabei absolviert die Gruppe mittlerweile ein beachtliches Auftrittspensum, vor allem in Franken und der Oberpfalz, jedoch zunehmend auch im übrigen Bayern und sogar jenseits der Landesgrenzen.

Mit Preisen wird die Gruppe gerade zu überschüttet, sei es als Künstler des Monats der Metropolregion Nürnberg, als Bayern des Tages oder sei es die Empfehlung des Landesfeuerwehrverbandes, die Feuerwehrhymne zu offiziellen Anlässen zu spielen.

Denn wie der Name schon sagt treten die Oberpfälzer als Feuerwehrleute auf. Altneuhaus ist übrigens ein Naturschutzgebiet in der Nähe von Windischeschenbach, jenem Ort in der nördliche Oberpfalz, aus dem die Gruppe kommt.

Die historischen Feuerwehruniformen und die rußgeschwärzten Gesichter sind das Markenzeichen der Gruppe. Über die Feuerwehr will man sich damit nicht lustig machen. Die Feuerwehrhymne ist eines der wenigen nicht satirischen Stücke der Gruppe.

2 Kommentare zu Die Altneihauser Feierwehrkapell’n

  1. Die sind wirklich spitze – und machen weit über die Grenzen hinaus Werbung für die schöne Oberpfalz 😉

  2. Benkhardt // 16. Mai 2014 um 15:49 //

    Die Texte seiner Auftritte hat Kommandant Norbert Neugirg übrigens auch in mittlerweile drei Büchern veröffentlicht, erschienen im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz: ein köstliches Lesevergnügen.

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