Kolumne

Schwäbisch – Der Dritte im Bunde

Von: Tilman Weigel

Drei große Dialektgruppen gibt es in Bayern. Neben dem Bairischen und dem Fränkischen gibt es noch das Schwäbische, genauer gesagt die alemannischen Dialekte. Denn ganz im Süden, rund um Sonthofen, wird streng genommen schon nicht mehr Schwäbisch, sondern Nieder-Alemannisch gesprochen.

Die Verbreitung alemannischer Dialekte im 19. und 20. Jahrhundert – Grafik: wikipedia, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Wo genau die Grenzen zwischen dem Barischen und dem Alemannischen verlaufen, ist nicht klar zu definieren. Schuld ist das deutsch-niederländische Dialektkontinuum. Es besagt, dass sich zwischen dem flämischen Teil Belgiens im Nordwesten und Österreich und Südtirol im Südosten die Dialekte langsam von Dorf zu Dorf ändern, ohne dass es klare Grenzen gäbe, wie beispielsweise zwischen dem Französischen und dem Deutschen.

Da gibt es  zwischen dem Bairischen und dem Schwäbischen die Daag-Doog-Grenze, die Gläsle-Glasla-Grenze und die essn-essa-Grenze. Zumindest im Norden ist der Lech eine einigermaßen deutliche Grenze. Sprachforscher sprechen sogar von einer der deutlichsten Abgrenzung zwischen verschiedenen Dialektfamilien im deutschen Sprachraum. Ab Augsburg wird es schwieriger. Die Gläsle-Gläsla-Grenze (weiter im Norden Glasla) biegt hier nach Westen ab, in Kaufbeuren sagt man traditionell Gläsla. Allerdings heißt es hier brait und nicht wie im Schongau broat, dort aber sagt man Daag und nicht wie im oberbayerischen Weilheim Doog. Schon in den westlichen Münchner Vororten bereits erste Merkmale dessen, was als typisch schwäbisch gesehen wird. Auch zum Fränkischen hin ist die Grenze im Raum Dinkelsbühl fließend.

Die Dialekte halten sich nicht an die Grenzen der Regierungsbezirke – Grafik: TUBS, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Das im südlichen Allgäu gesprochene Nieder-Alemannisch hört sich für viele Nicht-Schwaben dagegen schon fast wie Schweizerisch an. Im nördlichen Allgäu spricht man dagegen offiziell noch Schwäbisch, auch wenn die Dialekte der Region teilweise zusammenfassend als Allgäuerisch bezeichnet werden. Das Haus heißt beispielsweise in Kempten Hous, in Sonthofen (wo man Nieder-Alemannisch spricht) dagegen Hüüs, die Zeit wird zur Ziit.

Allerdings verschwimmen diese Dialektgrenzen zunehmend. Überhaupt sind auch in Bayerisch Schwaben die Dialekte bedroht. Der Sprachforscher Werner König sieht sogar einen “abrupten Sprachwechsel zugunsten eines allgegenwärtigen und von den Medien geförderten Standards, der am Norddeutschen ausgerichtet ist”. Wenn´s so wär, wär es jammerschade und ein unwiderbringlicher Verlust.

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