Kolumne

Anna Maria Schwägelin, die letzte Hexe Deutschlands

Von: Sebastian Herbst

Insbesondere im 18. Jahrhundert machte die Aufklärung als eine der bedeutenden gesellschaftlichen Entwicklungen der Neuzeit von sich reden, indem sie postulierte, der Mensch solle sich von kirchlichen und obrigkeitsstaatlichen Zwängen lösen und seine Vernunft gebrauchen. Es dauerte jedoch noch eine ganze Weile, bis sich dies auch als gesellschaftliche Maxime etablierte, und so wurde zum Beispiel noch bis weit ins 18. Jahrhundert hinein die Hexenverfolgung betrieben.

Über die letzte Hexe Deutschlands wurde sogar ein Buch geschrieben.

Anna Maria Schwägelin aus Lachen in Schwaben kommt dabei eine ganz besondere Rolle zu. Sie war nämlich mit ihrem Urteil im Jahr 1775 die letzte Hexe Deutschlands, die zum Tode verurteilt wurde. Erstaunlich war dabei ihre eigene Überzeugung, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben, der sie – nachdem sie zum Protestantismus konvertiert war – gezwungen haben soll, sich von Gott loszusagen.

Heute wäre dies allenfalls ein Fall für den Psychiater, damals jedoch herrschten andere Sitten. Und als eine Mitbewohnerin aus dem Arbeitshaus Langenegg bei Martinszell, in das Schwägelin aufgrund ihres Beinleiden aufgenommen worden war, von diesen Vermutungen Schwägelins erfuhr, meldete sie dies sogleich. Anna Schwägelin wurde daraufhin sofort der Prozess gemacht, während dem sie ohne jegliche Folter ihren angeblichen Teufelsbund gestand. Das Urteil war klar: Der Tod. Durchgeführt werden sollte dies am 11. April 1775 mit dem Schwert, doch die Hinrichtung fand nie statt. Stattdessen wurden erneute Nachforschungen angestellt, da die Aufklärung wohl trotzdem ihre Spuren hinterlassen hatte und übermenschliche Kräfte auf der Erde immer unwahrscheinlicher wurden.

Die Untersuchungen blieben jedoch ohne Ergebnis, bis Anna Schwägelin 1781 im Alter von 52 Jahren im Gefängnis verstarb. So ereilte die letzte verurteilte Hexe Deutschlands ein natürlicher Tod, wohl der Startschuss dafür, die sinnlosen Verfolgungen endgültig ad acta zu legen.

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