Kolumne

Luitpold von Bayern – denn der König war schwermütig…

Von: Tilman Weigel

Eine Torte und ein Bier wurden nach ihm benannt, in München eine wichtige Straße, in Nürnberg ein großer Park und in Würzburg ein ganzes Krankenhaus. Unzählige weitere Beispiele könnte man anführen, Prinzregent-Luitpold-Gymnasien, Prinzregent-Luitpold-Straßen oder Luitpold-Höhen. In der Antarktis gibt es sogar ein Prinzregent-Luitpold-Land.

Prinzregent Luitpold von Bayern

Dabei war der 1821 in Würzburg geborene Luitpold Karl Joseph Wilhelm von Bayern nur der dritte Sohn des Königs Ludwig I. Zwar soll er dessen Lieblingssohn gewesen sein, doch bei der Thronfolge ging er leer aus. Nachdem König Ludwig 1848 wegen seiner Affäre mit Lola Montez auf den Thron verzichtete, wurde sein Bruder Maximilian König. Sein Bruder Otto war bereits 1832 König von Griechenland geworden. Nur Luitpold blieb ohne Thron.

Immerhin hätte er im Fall des Todes seines Bruders Otto König von Griechenland werden sollen. Doch so weit kam es nicht, denn Otto musste Griechenland 1862 verlassen und verbrachte seine letzten Lebensjahre in Bamberg.

Vermutlich würde heute kaum jemanden Luitpold kennen, wäre da nicht seine robuste Natur gewesen. Er überlebte nicht nur seinen Bruder Maximilian, sondern auch dessen Sohn Ludwig, den Märchenkönig, der im Anschluss König gewesen war.

Zum 90. Geburtstag bekam er sogar eine eigene 5-DM-Münze

Bereits kurz vor dem Tod seines Neffen Ludwig war Luitpold Prinzregent geworden. Ludwig II. war entmündigt worden. Luitpold besaß damit zwar nicht den Titel eines Königs, wohl aber dessen Macht. Kurz darauf starb Ludwig II. unter bis heute ungeklärten Umständen.  König wurde Luitpold dennoch nicht, auf Ludwig II. folgte dessen Bruder Otto. Doch der König war schwermütig, wie es offiziell hieß und so blieb Luitpold Prinzregent.

Obwohl das Volk lieber von einem König als von einem Prinzregenten regiert worden wäre, schätzte man Luitpold. Er förderte Kunst und Kultur, galt aber gleichzeitig als bodenständig. Mit Leidenschaft wanderte und jagte er, egal, ob im Spessart oder im Allgäu. Er wirkte im Konflikt mit der Kirche und dem Parlament ausgleichend und ernannte erstmals ein Mitglied der Mehrheitsfraktion im Landtag zum Vorsitzenden des Ministerrates, also zum Ministerpräsidenten. Vorher war es üblich gewesen, Parteilose am Parlament vorbei einzusetzen.

Sein Sohn Ludwig schaffte dann, was dem Vater verwehrt geblieben war. Nach einem Jahr als Prinzregent wurde er 1913 König Ludwig III. Viel Glück hatte er aber nicht. 1918 wurde er abgesetzt, Bayern wurde ein Freistaat.

 

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