Kolumne

Lothar Matthäus: Fußballlegende mit schlechter Presse

Von: Tilman Weigel

Eigentlich keine schlecht Karriere, die der Sohn eines Hausmeisters aus der Mittelstadt Herzogenaurach gemacht hat. Weltfußballer des Jahres, Rekordnationalspieler, Fußballweltmeister. Vielen gilt er als einer der besten Mittelfeldspieler aller Zeiten. Lothar Herbert Matthäus könnte eigentlich zufrieden mit sich sein. Nur leider ist seine Presse nicht so, wie er es sich wünscht.

Lothar Matthäus – Foto: Biso, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Geboren wurde Lothar Matthäus, oder auch kurz Loddar genannt, am 21. März 1961 in Erlangen und wuchs im nahe gelegenen Herzogenaurach auf. Dort spielte er beim lokalen Fußballverein und machte eine Lehre zum Raumausstatter. Doch dann kam der große Durchbruch. Matthäus wurde in die A-Jugend-Nationalmannschaft berufen. Im gleichen Jahr wechselte er vom FC Herzogenaurach in die Bundesliga, genauer gesagt zu Borussia Mönchengladbach. Der Verein hatte gerade einen neuen Trainer bekommen, den ehemaligen Nationalspieler Jupp Heynckes, der schnell zum Förderer des Mittelfranken werden sollte.

Schon ein Jahr später spielte Matthäus in der regulären Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Italien mit. In den folgenden 20 Jahren spielte er für Deutschland in 150 Spielen und schoss 23 Tore. Das ist bis heute Rekord. Franz Beckenbauer beispielsweise stand 103 Mal auf dem Platz, Uwe Seeler 72 Mal.

Lothar Matthäus´ Durchbruch allerdings kam beim FC Bayern. Dorthin holte ihn 1984 ausgerechnet Udo Lattek, der vor Heynckes Trainer bei der Mönchengladbacher Borussia war. Unter ihm entwickelte sich der Herzogenauracher zum Weltklassespieler. Vier Jahre spielte er für die Münchner, bevor es ihn nach Mailand zog. Damit folgte er einmal mehr Karl-Heinz Rummenigge. Und wie Rummenigge zog es ihn wieder nach München zurück. Allerdings nicht als Funktionär, sondern erneut als Spieler. Dort spiele er bis zum für einen Profifußballer beachtlichen Alter von 39 Jahren.

Den Höhepunkt seiner Karriere hatte er allerdings lange überschritten. 1990 war Matthäus‘ großes Jahr. Da wurde er nicht nur Weltmeister und mit Inter Mailand UEFA-Cup Sieger, sondern auch deutscher, europäischer und sogar Weltfußballer des Jahres und zudem Weltsportler. 1991 erhielt er den Titel Weltfußballer ein zweites Mal.

Lothar Matthäus im Jahr 2002 – Foto: Matzeachmann

Vermutlich wäre er gerne ein zweiter Franz Beckenbauer geworden, doch als Trainer hatte er wenig Glück. Einen Job in der deutschen Bundesliga hat er bisher nicht bekommen, zuletzt trainierte er eine Mannschaft in Israel und die bulgarische Nationalmannschaft.

Lothar Matthäus könnte trotzdem eine Fuballlegende sein, wären da nicht die Frauengeschichten und der Ruf als Prolet. Der Bayerische Rundfunk verspottete mit einer eigenen Reihe das Englisch des Hausmeistersohns, BILD fragt „Weltstar oder Witzfigur“ und von der Tageszeitung „Die Welt“ musste er sich schon mal fragen lassen, warum er unbedingt in jedes Mikro sprechen müsse.

Doch eigentlich könnte „Loddar“ trotzdem mit sich zufrieden sein. 2004 nahm ihn die FIFA in die Liste der 125 besten noch lebenden Fußballspieler auf. Auch wenn sein Englisch schlecht ist hat er doch die Gewissheit, dass er sicher besser Fußball gespielt hat als 99 Prozent seiner Kritiker jemals Englisch sprechen werden.

1 Kommentar zu Lothar Matthäus: Fußballlegende mit schlechter Presse

  1. Mariooss // 5. Juli 2011 um 11:13 //

    Im Umgang mit „Loddar“ kommt auch eine gewissen Arroganz des Bildungsbürgertums und der sogenannten Intellektuellen zum Ausdruck. Natürlich ist der Mann nicht sehr schlau, aber wie vom Autor richtig festgestellt wird spielt er sicher besser Fußball als seine Kritiker. Das aber zählt für die nicht. Sie bewerten andere nur nach dem, was sie selbst gut können.

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