Kolumne

Die Freinacht – oder: Wenn die Maibäume „Füße kriegen“

Von: Sabine Hutter

foto-sabine-22Die bayerische Tradition sah ursprünglich das Fällen des Maibaums in der Freinacht  vor. Somit konnten die Bäume auch nur in der Nacht vor dem 1. Mai gestohlen werden. Da die Maibäume heutzutage sehr aufwändig geschmückt werden, sind die Vorbereitungen oft schon Wochen vor dem 1. Mai im Gange. Damit ergeben sich zahlreiche Gelegenheiten für die jungen Burschen der umliegenden Gemeinden, den symbolträchtigen Stamm zu stehlen und ihn nur für eine hohe Auslöse wieder herauszugeben.


Die Freinacht – der Freibrief zum Maibaum stehlen

In wenigen Wochen werden in ganz Bayern wieder die Maibäume aufgestellt - Foto: © Helmut Krönauer / PIXELIO

In wenigen Wochen werden in ganz Bayern die Maibäume aufgestellt – Foto: © Helmut Krönauer / PIXELIO

Die Freinacht war früher eine Nacht vor einem Feiertag, in der es keine Sperrstunde gab und die Wirte ihre Lokale länger als üblich geöffnet halten durften. Bei den Bauern galt es als unschicklich, ihre Höfe an Feiertagen unaufgeräumt zu lassen und so durfte die Jugend der Gemeinde das „Aufräumen“ übernehmen.

In dieser Nacht trieben die jungen Burschen nach großem Alkoholgenuss allerlei Streiche. Vom Aushängen des Gartentürls bis hin zum Stehlen des Maibaums war alles erlaubt. Leider wurden ab den 1980er Jahren immer mehr Sachbeschädigungen begangen und die eigentlich harmlose Freinacht bekam eine negative Bedeutung.

Das Auslösen

Der gestohlene Maibaum wird gut versteckt und eine Abordnung der Diebe geht zu den Besitzern des Maibaums und die Verhandlungen beginnen. Meist besteht die Auslöse aus einer kräftigen Brotzeit und einigen Bierfässern. Nach der erfolgreichen Verhandlung wird der Maibaum in einer feierlichen Prozession mit Blasmusik an die rechtmäßigen Besitzer übergeben.

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