Kolumne

Wie die Aschaffenburger erst Bayern und dann Franken wurden

Von: Tilman Weigel

In Bayern gibt es drei Stämme, nämlich Schwaben, Altbaiern und Franken. So lernt man es in der Schule, so verkündet es die Staatsregierung und so ist es auch fast richtig. Doch was ist mit den Aschaffenburgern? Die sind Franken, oder?

Seit 1810 bairisch

So sieht Bayern heute aus: Mit Aschaffenburg im äußersten Nordwesten – Grafik: NordNordWest

Wahrscheinlich würden sich auch die meisten Aschaffenburger als Franken bezeichnen. Schließlich liegt Aschaffenburg in Unterfranken. So heißt Bayerns nordwestlichster Regierungsbezirk aber erst seit 1946. Bis 1938 hieß er Unterfranken und Aschaffenburg. Aschaffenburg ist eben nicht Unterfranken, sollte der Name sagen. Noch heute orientieren sich die Aschaffenburger mehr in Richtung Frankfurt als nach Würzburg oder gar nach Nürnberg. Für die Post gehört die Stadt sowieso zu Hessen. Vorwahl und Postleitzahl beginnen mit der 06 beziehungsweise der 6 und nicht mit 09 und 9 wie in Nordbayern. Auch die Sprachforscher sind sich einig: gesprochen wird in Aschaffenburg hessisch und nicht fränkisch.

Kein Wunder, denn Jahrhunderte lang gehörte Aschaffenburg zum Kurfürstentum Mainz. Das reichte nach dem Aussterben der Grafen von Rieneck im 16. Jahrhundert sogar bis Lohr, tief im heutigen Unterfranken. Aschaffenburg war dabei Verwaltungshauptstadt des sogenannten Oberen Erzstifts und damit eine der wichtigsten Städte nach Mainz.

Er machte aus Aschaffenburg ein Fürstentum: Erzbischof Karl Theodor von Dalberg

Aschaffenburgs große Zeit begann allerdings erst mit dem Ende von Kurmainz. Schon 1792 war das Domkapitel vor den heranrückenden französischen Truppen aus Mainz nach Aschaffenburg geflohen. 1803 war es dann soweit. Aus den verbliebenen rechtsrheinischen Gebieten (die linksrheinischen waren von Frankreich besetzt) formte Karl Theodor – nein nicht zu Gutten- sondern von Dalberg das Fürstentum Aschaffenburg. Das ist übrigens der gleiche Karl Theodor von Dalberg, der auch das Fürstentum Regensburg führte.

Als Aschaffenburg 1810 bayerisch wurde, erhielt von Dalberg im Ausgleich das Fürstentum Hanau und das Reichsstift Fulda und bekam den Titel Großherzog zuerkannt. Schon 1806 war die ehemalige Reichsstadt Frankfurt an Aschaffenburg gefallen, so dass sich das Gebiet nun Großherzogtum Frankfurt nannte. Doch Verwaltungshauptstadt blieb Aschaffenburg.

So hätte es nach dem Willen der Aschaffenburger wohl auch bleiben können. Doch schon 1814 war Schluss mit dem Großherzogtum. Es wurde ebenso wie der Nachbar Würzburg ins Königreich Bayern eingegliedert. Ferdinand III., Großherzog von Würzburg, musste wieder in die Toskana zurück, die er bereits zuvor regiert hatte und von Dalberg verbrachte den Rest seines Lebens in Regensburg, wo er heute auch begraben liegt. Sein Herz allerdings wurde in der Stiftskirche von Aschaffenburg beigesetzt.

Hauptstadt des neuen bayerischen Untermainkreises wurde Würzburg. Aschaffenburg hatte seine administrative Bedeutung überwiegend verloren. Ab 1. Januar 1838 hieß der Kreis dann fast genau 100 Jahre lang Unterfranken und Aschaffenburg, ehe Nationalsozialisten ihn am 1. Juni 1938 in Mainfranken umbenannten und die Aschaffenburger damit nicht nur Bayern, sondern jetzt auch Franken waren.

Die bayerische Landkarte um 800: Aschaffenburg war Teil des Herzogtums Franken

Das heißt, um 800 gehörte Aschaffenburg schon einmal zum Herzogtum Franken, dem Namensgeber des heutigen Franken. Zwar nicht wie der größte Teil des heutigen Unterfrankens zum östlichen Teil, sondern mit Frankfurt, Worms und Baden zum westlichen Herzogtum Franken. Aber immerhin. Das Gebiet von Bamberg bis Nürnberg gehörte damals übrigens noch zum bairischen Nordgau und hieß noch lange nicht Franken.

1 Kommentar zu Wie die Aschaffenburger erst Bayern und dann Franken wurden

  1. Thorsten Stiefel // 7. Februar 2011 um 00:04 //

    Ein ganz hervorragender Bericht. Kompliment an den Autor! Wenn uns Geschichte in der Schule auch so beigebracht worden wäre, hätte ich wahrscheinlich viel mehr Spaß daran gehabt 😉

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