Kolumne

Fischerstechen – wer fällt, wird nass bis auf die Knochen

Von: Eranie Funderburk

Das Fischerstechen ist ein alter Fischerbrauch. Dabei kämpfen zwei Mannschaften gegeneinander. Beide Gruppen befinden sich auf je einer Zille oder einem Ruderboot und versuchen, sich mit Hilfe eines Speeres gegenseitig ins Wasser zu stoßen.

In Franken gibt es zwei bekannte Veranstaltungen, bei denen ein Fischerstechen stattfindet. Während der Sandkärwa in Bamberg treten am letzten Augustwochenende die Fischerstecher gegeneinander an. Im Rahmen des Nürnberger Altstadtfestes müssen die Mannschaften in der Pegnitz zeigen, wo der Hammer hängt.

Das Fischerstechen auf der Donau – Foto: Rainer Halama

Seit 1982 richtet die Freiwillige Feuerwehr Türkenfeld bei Fürstenfeldbruck (Oberbayern) alle vier Jahre ein Fischerstechen-Turnier aus. Auch in Seehausen am Staffelsee treten beim traditionellen Fischerstechen am 15. August mutige Mannschaften gegeneinander an. Direkt am Starnberger See findet  in Seeshaupt ein Fischerstechen-Turnier statt.

Auch in Niederbayern wird diese Sportart zelebriert. Seit 2009 haben deutsche und österreichische Mannschaften die Möglichkeit, sich beim Fischerstechen in Neuhaus am Inn, beim sogenannten Grenzlandfest, zu beweisen.

So sah das Fischerstechen im 19. Jahrhundert aus.

Das wohl bekannteste Fischerstechen ist das in Ulm. Ulm gehört zwar nicht zu Bayern, doch als die Stadt 1810 dem Königreich Württemberg zugesprochen wurde, wurden die rechts der Donau angrenzenden Siedlungen den Bayern vermacht. 1869 wurde Neu-Ulm von Ludwig II. zur Stadt erhoben. Das Ulmer Fischerstechen findet immer auf der Donau statt. Die Donau ist der Grenzfluss von Ulm (Baden-Württemberg) und Neu-Ulm (Bayern). Deshalb kann man diesen Brauch auch zum Regierungsbezirk Schwaben zählen.

Die Geschichte des Ulmer Fischerstechens

Wissenschaftler vermuten, dass das Ulmer Fischerstechen im 14. oder 15. Jahrhundert entstanden ist. Zwei Fischer wollten eine Art Ritterturnier veranstalten. Da sie keine Pferde besaßen, traten sie in sogenannten Zillen gegeneinander an. Ab 1662 fand jeden Dienstag im Frühjahr das Fischerstechen statt.

Das Ulmer Fischerstechen der Neuzeit

Das Ulmer Fischerstechen im Jahr 2009 – Foto: Dr. Eugen Lehle

Mittlerweile wird es im Juli veranstaltet und das nur etwa alle vier Jahre an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen. Vor dem Fischerstechen findet zunächst ein Umzug  statt. Am Nachmittag müssen die Mannschaften dann gegeneinander antreten. Jede Gruppe befindet sich in  einem Boot, mit der sie vom Ulmer oder vom Neu-Ulmer Ufer ablegen. Am hinteren Ende der Zille wartet der Stecher. Das Boot wird von drei Fahrern bewegt. Ziel ist es, den Gegner ins Wasser zu treiben, damit er nass wird. Wer ins Wasser fällt oder seinen Speer verliert, hat verloren. Gesamtsieger ist die Mannschaft, deren Stecher bis zum Finale trocken bleibt. Am 22. Juli 2013 findet das nächste Ulmer Fischerstechen statt.

Wer darf beim Ulmer Fischerstechen teilnehmen?

Die meisten Mannschaften, die beim Ulmer Fischerstechen gegeneinander antreten, sind meist Nachfahren von Angehörigen der Schiffer- und Fischerzunft. Sie werden nach strengen geschichtlich überlieferten Regeln für die Teilnahme ausgewählt.

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