Kolumne

Erntedank und Kirchweih – so geht ein arbeitsreiches Bauernjahr zu Ende

Von: Tanja Ranzinger

Neigt sich das Bauernjahr seinem Ende entgegen, gibt es noch einmal so richtig viel zu tun. Der Oktober steht ganz im Zeichen der Ernte. Überall werden die Felder abgeräumt und die letzten Früchte eingebracht. Über sonniges Wetter freuen sich nicht nur die Bauern. Auch der Winzer erntet nun den Lohn für seine Arbeit, denn nach wochenlanger Arbeit bei der Weinlese finden überall gesellige Weinfeste statt. Merklich werden die Tage kürzer und etwas wehmütig denkt man an den vergangenen Sommer zurück. In manchen Jahren kann man sich am Altweibersommer erfreuen, wenn es noch schöne Tage mit angenehmen Temperaturen gibt. Wie im Bilderbuch kann man sich dann an den Farben im Herbst erfreuen, wenn man abends bei einem guten Glas Wein die letzten Sonnenstrahlen geniest.

Am Erntedankfest werden Gaben traditionell in die Kirchen gebracht – Foto: Richard Huber

Beginnen die Blätter der Bäume sich zu färben, ist dies ein untrügliches Zeichen, dass der Herbst Einzug hält. Ein Farbenmeer der Natur entsteht, so unbeschreiblich schön, da kann man gar nicht anders, als sich draußen aufzuhalten. Die Menschen in Bayern sind sehr dankbar. So verwundert es nicht, dass es auch hier einen Brauch gibt, auf den sich Menschen vorbereiten. Immer am ersten Sonntag im Oktober wird das Erntedankfest mit einem festlichen Gottesdienst gefeiert. Dazu werden Früchte aus Feld, Garten und Weinberg zum Altar gebracht.

Ein erfolgreiches Bauernjahr muss gefeiert werden

Dass in Bayern gerne gefeiert wird, ist kein Geheimnis. Ein ganz besonderer Höhepunkt ist demnach das Kirchweihfest, welches immer am dritten Sonntag im Oktober gefeiert wird. Es war und ist eines der wichtigsten Bauernfeste im religiösen Jahreslauf. Verglichen mit dem Erntedankfest, steht bei der Kirchweih das weltliche Fest im Vordergrund, wenn es auch an diesem Tag einen Gottesdienst gibt. An Kirchweih wird aus Küche und Keller festlich aufgetischt. Jung und Alt treffen sich, um die traditionellen Köstlichkeiten zu genießen. Natürlich dürfen dabei die Musik und der Kirchweihtanz nicht fehlen.

Höhepunkte auf den Herbstkirchweihen sind die Erntedank-Festzüge, wie hier auf der Fürther Kirchweih – Foto: Norbert Mittelsdorf

Die Menschen freuen sich, dass die harte Arbeit getan ist und endlich wieder Zeit zum Feiern ist. In der Zeit unserer Großeltern kam zur Kirchweih die gesamte Verwandtschaft zusammen. Die Vorbereitungen begannen bereits Tage vorher. Die Frauen waren damit beschäftigt, die Gänse und Enten zu rupfen. Die Männer kümmerten sich um den Tanzboden.

Am Kirchweihsamstag kamen die Bäuerinnen gar nicht aus der Küche. Mussten doch die Kirchweihnudeln herausgebacken werden. Meist waren das so viele, dass damit die gesamte Speisekammer gefüllt wurde. Im Chiemgau war es Sitte, die erste Kirchweihnudel ins Ofenfeuer zu werfen. Diese war für die armen Seelen bestimmt, welche man über all der Freude nicht vergessen hat.

Nach dem feierlichen Gottesdienst freuten sich alle auf das Fest. Alles, was die Tage zuvor hergerichtet und zubereitet wurde, trugen Bäuerinnen und Mägde auf. Da wurde getrunken und gegessen, gelacht, getanzt und gesungen. Heute würde man sagen, die haben so richtig auf den Putz gehauen.

Wachsstöckl und Lebkuchenherz

Früher waren die Kirchweihen noch eher bäuerliche Märkte.

Was wäre eine Kirchweih ohne die typischen Kirchweihmärkte. Die vielen Stände und Buden, welche früher meistens um die Kirche herum aufgebaut wurden, dienten damals hauptsächlich dazu, sich mit Dingen für den täglichen Bedarf einzudecken. Zu kaufen gab es zum Beispiel Schuhbänder, Pantoffeln, Kleiderstoff, Geschirr usw. Auch ein Scherenschleifer war immer mit dabei, bei ihm konnte man seine Scheren und Messer wieder richtig scharf schleifen lassen. Natürlich durften auch damals die Süßigkeiten nicht fehlen.

Geflirtet wurdenatürlich auch schon. Auf der Kirchweih ganz besonders. Die Burschen schenkten zum Beispiel den Dirndln ein Lebkuchenherz. Aber auch ein Wachsstöckl oder ein schönes Tuch waren so kleine Geschenke, welche man als junges Madl am Abend mit nach Hause nahm.

Heute wird dagegen etwas anders gefeiert – Foto: B. Kögler

Diese überschwängliche Freude findet man heutzutage leider nicht mehr in dieser Form. In wenigen Häusern werden die Kirchweihnudeln noch selbst gebacken, auch das Kirchweihessen ist bescheidener geworden, ich glaube gesünder würde es da besser treffen. Viel seltener sind auch die Kirtamärkte geworden, was eigentlich sehr schade ist. Zudem finden Kirchweihen heute bereits ab dem Frühsommer statt – also auch dieser Brauch wurde ausgedehnt.

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