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Kolumne

Bayern, deine Zwiebeltürme

Von: Eranie Funderburk

Jeder, der das erste Mal nach Bayern kommt, der bemerkt als Allererstes nicht die Lederhosen, die Dirndl oder das Jodeln der feschen Buam und Madln, sondern die Zwiebeltürme, die die Dächer der Kirchen verzieren.

In München stehen mehrere Türme, deren Form schon fast zwiebelartig ist. Die erste Kirche ist die Theatinerkirche St. Kajetan. Dort war der Theatinerorden beheimatet. Seit 1954 wird sie von den Dominikanern betreut. Die zweite sehr berühmte Kirche ist die Münchner Frauenkirche. Diese wurde von 1468 bis 1488 erbaut. Leider verstarb der damalige Erbauer Jörg von Halspach, ohne dass die Türme fertiggestellt waren. Erst 1525 wurden ihnen von Lukas Rottaler die Hauben aufgesetzt. Zuvor wurden aufgrund des Landshuter Erbfolgekrieges Kanonen auf den Plattformen der späteren Türme postiert. Die Vorlage für die beiden „Welschen Hauben” war die Kirche Madonna dell´Orto in Venedig.

Die Frauenkirche in München mit den typischen Zwiebeltürmen – Foto: © Stuelpner / PIXELIO

Der erste echte Zwiebelturm in Bayern wurde im Jahre 1576 gebaut. Die Kirche des Klosters St. Maria Stern, welches in Augsburg steht, wurde damals mit einem Turm versehen, welcher aus mehreren Lagen Kupferblech angefertigt ist. Der Erbauer Jonas Holl verwendete als Vorbild die „Welschen Hauben” der Münchner Frauenkirche. Die ältesten Zwiebeltürme besitzen übrigens aufgrund der Verwitterung des Kupfers heutzutage eine grün-türkise Farbe.

In der Zeit des Barock ca. 1575 bis 1770 entwickelte sich diese Art des Kirchturmbaus. Damals verbreitete sich die barocke Bauweise von Italien über die katholischen Gebiete Europas. Ein Studium der Architektur war in Italien ein muss für jeden angehenden Architekten dieser Zeit. Die ausgebildeten Baumeister brachten dann ihre Kreationen nach ganz Europa und später sogar bis nach Russland. Man unterscheidet noch heute schlanke bis bauchige Zwiebelturmformen und manche Architekten setzten sogar mehrere Zwiebeln aufeinander.

Die Zwiebeltürme findet man vor allem in Oberbayern, Niederbayern und Schwaben – Foto: © rufus46

Gerade die katholische Kirche war es, die diese Bauweise förderte. Die abtrünnigen Gläubigen, die der protestantischen Kirche beigetreten waren, sollten so zurückgewonnen werden, denn durch diese kostbare Bauweise sollte die Macht der katholischen Kirche erkennbar werden und die Schönheit sollte jeden Andersgläubigen verzaubern. Die berühmtesten Klöster und Wallfahrtskirchen des Barock sind die Wieskirche in Wies, das Kloster Ottobeuren, die Wallfahrtskirche Birnau am Nordufer des Bodensees, die Basilika Vierzehnheiligen und das Kloster Banz bei Bad Staffelstein. Die berühmtesten Architekten der damaligen Zeit waren Dominikus Zimmermann, Johann Dientzenhofer, Johann Bernhard Fischer von Erlach und Johann Balthasar Neumann. Ihnen hat man die Vielzahl der schönen Kirchengebäude und deren Zwiebeltürme zu verdanken.

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