Kolumne

Wo der Alte mit der blau Sau spielt

Von: Tilman Weigel

Zunächst die schlechte Nachricht vornweg: Schafkopf wurde vermutlich nicht in Bayern erfunden, sondern in Thüringen oder Sachsen. So genau weiß man das nicht, denn als Spiel des Volkes war Schafkopf den Chronisten nicht besonders wichtig. Erst 1782 taucht der Begriff Schafkopf auf. Und zwar in einem sächsischen Bußgeldkatalog zum Thema “Zechen und Spielen an Werkeltagen und Sonntagen”. Darin wurde festgestellt, dass Schafkopf kein reines Glückspiel und deswegen erlaubt sei.

Schafkopf, das bayerische Blatt

Die gute Nachricht ist allerdings, dass das heute im Freistaat verbreitete bayerische Schafkopf wie der Name schon sagt durchaus aus Bayern kommt. Aus dem klassischen Schafkopf entwickelten sich mit der Zeit nämlich eine ganze Reihe von Kartenspielen. Beispielsweise das Erzgebirgische Schafkopf, das später Skat genannt wurde. Aber auch das bayerische Schafkopf. Diese Variante unterscheidet sich von den Vorläufern vor allem dadurch, dass nicht mehr die gegenüber sitzenden Spieler zusammen spielen. Statt dessen kann man seinen Mitspieler rufen. Wer beispielsweise die Alte ruft, spielt mit dem Spieler, der die Eichsel Ass auf der Hand hat.

Denn gespielt wird Schafkopf ausschließlich mit dem deutschen Blatt, genauer gesagt mit bayerischem oder fränkischem Bild, also mit Eichel, Gras und Schell statt Kreuz, Pik und Karo und mit Unter und Ober statt Bube und Dame. Die Ass heißt Sau. Denn traditionell hieß die Spielkarte im deutschen Blatt Daus und war jeweils mit einem Schwein gekennzeichnet. Heute hat sie bei den meisten Bildern nur auf der Schell-Ass überlebt.

Das komplette bayerische Blatt – Foto: Sönke Kraft

Mittlerweile haben sich so viele Varianten entwickelt, dass man sie nicht in wenigen Zeilen alle aufzählen kann. Puristen schwören auf eine Minimalversion mit Rufspiel und Farb-Solo. Aber auch der Wenz, ein Solo-Spiel bei dem nur die Unter Trumpf sind, wird von den meisten Traditionalisten akzeptiert und bei fast allen Schafkopfturnieren gespielt. Umstrittener sind all die anderen Varianten wie Geier, Bettel, Hochzeit und unendliche viele andere.

Fast genauso umstritten ist die Frage, warum der Schafkopf Schafkopf heißt. Letztendlich gibt es viele Erklärungsversuche, von denen keiner so recht überzeugt. Einer lautet, dass ursprünglich für jedes verlorene Spiel – möglicherweise auch für jedes gewonnene – ein Strich gezeichnet wurde. Daraus ergab sich am Ende ein Schafkopf. “Blödsinn”, sagen aber viele Kartenexperten. Gespielt wurde schon immer um Geld und nicht um Striche.

Eine andere Theorie glaubt, dass sich der Name von Schaff, also Fass ableitet, weil auf Fässern gespielt wurde. Dagegen spricht, dass auch in älteren Quellen Schafkopf meistens nur mit einem f geschrieben wurde.

Schafkopf gilt mittlerweile als bayerisches Kulturgut – und das in allen Landesteilen. Weil das Guiness Buch der Rekorde lange Zeit nur Kartenspiele akzeptierte, bei denen mit dem vollen Satz von 52 Karten gespielt wird, intervenierte der Bayerische Rundfunk, so dass es im Guiness Buch der Rekorde heute auch einen Weltrekord im Dauerschafkopf gibt. Der liegt bei 170 Stunden. Und Schafkopf wäre kein echtes Kulturgut, wenn nicht schon über dessen Bedrohung lamentiert würde. Nicht zuletzt das Internet bedroht ihn demnach. Dabei gibt es längst Schafkopf-Seiten im Netz. Auch wenn man Schafkopf natürlich am besten im Biergarten oder einer traditionellen Wirtschaft spielt.

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