Kolumne

Wenn der Franke mit den Körben…

Von: Sebastian Herbst

Wenn man in der Umgangssprache von einer begehrten Person, die man anzusprechen gewagt hat, „einen Korb bekommt“, dann ist das oft alles andere als erfreulich. Anders sieht die Sache in Lichtenfels aus. Einen handfesten Korb zu verschenken, ist zwar auch hier nicht Brauch, doch dafür gibt es ja auch den alljährlich stattfindenden Korbmarkt.

Körbe, Körbe, ach ja, und Körbe – Foto: Harald Fischer / Stadt Lichtenfels

Dann nämlich, vom Freitag auf den 3. Sonntag im September, bietet sich dem Besucher auf dem Marktplatz ein heiteres Spektakel mit Volksfest-Atmosphäre und fröhlicher Stimmung wohin das Auge blickt, bestens bewirtet und durch Live-Musik begleitet. Und dennoch steht im Mittelpunkt des ganzen Treibens nichts Geringeres als das, was Lichtenfels den Titel „Deutsche Korbstadt“ eingebracht hat, nämlich das Flechthandwerk.

Dieses wurde vor allem deshalb so populär, weil die Stadt zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Eisenbahnknotenpunkt wurde und viele Korbhandelshäuser diese wirtschaftlich günstige Situation ausnutzten.

Auch die Kunst des Korbmachens kann bewundert werden – Foto: Harald Fischer / Stadt Lichtenfels

Durch die im Folgenden errichteten Gebäude ist das Stadtbild von Lichtenfels bis heute geprägt. Wer diese gesamte Tradition noch einmal bewundern und noch mehr hierüber erfahren will, für den ist ein Abstecher in das Deutsche Korbmuseum in Michelau, eine zu Lichtenfels gehörige Gemeinde, die sogar einen Korb im Wappen trägt, mit Sicherheit interessant.

Und wer bei dem Begriff „Korb“ noch immer nur an schlichte Flechtwerk zur Aufbewahrung von Gegenständen denkt, der muss sein Verständnis wohl etwas korrigieren, denn neben dieser traditionellen Variante werden mittlerweile auch exklusive Designermöbel und noch so einiges anderes aus den Binsen gefertigt.

Das sich ganz in der Nähe befindende Kloster Banz, die äußerst bekannte Basilika Vierzehnheiligen und der Staffelberg runden das ganze schließlich noch wunderbar ab. Wenn man mal vor lauter Körben Lichtenfels nicht mehr sieht…

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