Kolumne

Was steckt hinter … dem Weißwurscht-Mythos?

Von: Sabine Hutter

foto-sabine-25„A guade Weißwurscht derf’s Zwölfeleitn net hörn!“ sagt der Volksmund noch heute. Auch die genauen Zutaten unterliegen einem strengen Geheimnis und sogar der Verzehr selbst hat seine ganz eigenen Regeln.

Die erste Weißwurst

Der echte Bayer isst nach 12 Uhr keine Weißwurst mehr - Foto: © Christine Braune / PIXELIO

Der echte Bayer isst nach 12 Uhr keine Weißwurst mehr – Foto: © Christine Braune / PIXELIO

Eine Weißwurst ist eine helle Brühwurst aus fein gemahlenem Kalbfleisch und frischen Kräutern. Die Bayern erzählen gern, dass ihre Weißwurscht einem Zufall zu verdanken ist. Wegen akutem Mangel an Schafsdärmen für die Kalbsbratwürstchen nahm ein Metzger die groben Schweinedärme und brühte die Wurst anstatt sie zu braten. So wurde 1857 die erste Weißwurscht serviert und heute ist sie weder vom Frühschoppen noch von der bayerischen Speisekarte generell wegzudenken.

Weißwürscht zuzelt man vor 12 Uhr

Dass eine Weißwurst die zwölfte Stunde eines Tages nicht mehr sehen darf, hat seinen Ursprung in den kühlschranklosen Zeiten. Frisches Fleisch, das fein gemahlen und in einem Naturdarm frisch aufgebrüht wird, ist nicht lange haltbar. Genau wie im Hackfleisch bilden sich auch in der frischen Weißwurst schnell Bakterien, die der menschliche Magen nicht verträgt.

Jeder Metzger hat seine eigene Rezeptur und die Bürger jeder Stadt schwören Stein und Bein, dass ihre Weißwurst die Beste ist. Auch das „Auszuzeln“ der Weißwurst ist mehr als nur gesellschaftsfähig. Die Außenhaut einer Weißwurst wird nicht mit verzehrt und entweder zuzelt man den lockeren Inhalt aus dem Naturdarm oder man schneidet die Wurst der Länge nach ein und löst so den Inhalt heraus. Dazu eine Brezl und ein Weißbier und die Welt für die Menschen südlich des Weißwurstäquators ist wieder in Ordnung.

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