Kolumne

Wallfahrtskirche Schlüsselau – große Kirche in kleinem Dorf

Von: Ingrid Neufeld

Zur Gemeinde Frensdorf im Landkreis Bamberg gehören mehrere eingemeindete Ortschaften. Eine davon ist Schlüsselau, ein kleines idyllisches Dörfchen. Wahrscheinlich hätte ich den Ort gar nicht bewusst registriert. Doch auf der Vorbeifahrt nahm ich plötzlich ein Hinweisschild wahr, nämlich den Verweis auf eine Wallfahrtskirche.

Die Wallfahrtskirche Schlüsselau – Foto: PeterBraun74

Da ich Fan von Kirchen aller Art bin, mich der Schönheit der Baustile nicht entziehen kann und weil ich mich gleichzeitig auch immer wieder von den spirituellen Erfahrungen derjenigen ansprechen lasse, die lange vor mir lebten, trat ich aufs Bremspedal und bog ab nach Schlüsselau.

Dort fand ich ein Bauwerk, das im 13. Jahrhundert als Zisterzienserinnenkloster gegründet wurde, und zwar von Eberhard IV. Edelfreier von Schlüsselberg. Er wollte in der Klosterkirche die Grablege der Familie schaffen. Außerdem sollten die unverheirateten Töchter im Kloster ihr Auskommen finden.

Leider wurden die Gebäude schon 1553 durch die Soldaten des Markgrafen Alcibiades vollständig zerstört. Das Kloster wurde danach vom Bamberger Bischof aufgelöst. Erst. 1601-1603 errichtete der Fürstbischof von Bamberg, Johann Philipp von Gebsattel neue Gebäude.

Die Klostervergangenheit ist noch heute sichtbar, hier der ehemalige Kreuzgang – Foto: PeterBraun74

Die Kirche wurde entsprechend ausgestattet, mit Flügelaltar, Pieta aus Ton, Hl. Sippe-Tafel, Kruzifix und Madonna mit Kind. Die Kassettendecke entstand 1713-1714 von Johann Brückner aus Ebermannstadt. Hochaltar, Seitenaltäre und Kanzel wurden in den Jahren 1726 – 1733 vom Schreiner Martin Walter und vom Bildhauer Franz Anton Schlott angefertigt.

Im 19. Jahrhundert erhielt die Kirche eine neugotische Ausmalung. Der Kreuzweg und neue Bilder in den Seitenaltären entstanden im Nazarener-Stil.

In den Jahren 1949 – 1969 diente das Kloster den Karmelitinnen als Heimat. 1969 zogen die Klosterschwestern nach Erlangen -Büchenbach um, wo sie noch heute beheimatet sind.

1996 – 1997 wurde der Altarraum der Kirche im Zuge einer Renovierung vergrößert. Damals wurden auf der Rückseite der eingemauerten Flügel bis dahin unbekannte Gemälde entdeckt.

Als Besonderheit beherbergt die Kirche die Grabplatte des Gottfried von Schlüsselberg. Damit hat Schlüsselau die älteste und besterhaltene Grabplatte, die es in einer fränkischen Dorfkirche zu sehen gibt. Das Grabmal selbst ist nicht mehr vorhanden, es stand ursprünglich mitten im Altarraum.

Heute ist das Klostergebäude Pfarrhaus und die Kirche ist Zentrum einer lebendigen Kirchengemeinde.

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