Kolumne

Von Unterfranken ins All

Von: Tilman Weigel

“Post über All.” Mit diesem Wortspiel warb die Deutsche Bundespost Mitte der 1980er Jahre für Ihre dritte und neueste Erdfunkstelle. Vom unterfränkischen Fuchsstadt aus sollten Telefongespräche und Fernsehbilder via Satellit billiger und weniger störungsanfällig als über die alten Unterseekabel in andere Länder übertragen werden. Das Wortspiel gefiel den Werbern so gut, dass sie gleich noch ein “Lexikon für All-Wissende” in der Broschüre abhefteten.

Die Erdfunkstelle Fuchsstadt ist schon von Weitem zu sehen – Foto: Rainer Lippert

Markenzeichen der Anlagen sind die riesigen Parabolantennen. Die größten in Fuchsstadt haben einen Durchmesser von 32 Metern, sind rund 100 Tonnen schwer und 42 Meter hoch. Zwei Stück wurden von Ihnen in dem unterfränkischen Ort in der Nähe von Hammelburg errichtet. Zwei weitere ähnlich große Antennen waren geplant, doch technische Neuerungen ließen sie dann weit kleiner werden.

Mit der Erdfunkstelle in Raisting gab es bereits eine ähnliche Anlage in Bayern, die zweite stand in Hessen. Dass alle Anlagen in Süddeutschland und gleich zwei in Bayern liegen hat einen einfachen Grund: Idealerweise soll die Anlage durch umliegende Hügel von störenden Einflüssen abgeschirmt sein. Außerdem sollte keine den Funk störenden Industrieanlagen in der Nähe und das Gelände nicht zu teuer sein. Das alles fanden die Ingenieure der Bundespost im ländlichen Unterfranken, unweit der damaligen Zonengrenze.

Bis zu 42 Meter ragen die Antennen neben Feldern in die Höhe – Foto: Rainer Lippert

Die Erdfunkstelle besteht aus vier Antennenfeldern mit insgesamt rund 40 Antennen. Am Antennenfeld eins liegen außerdem die Betriebsgebäude. Von hier aus wird die Anlage gesteuert, überwacht und gewartet. Hier stehen auch die Notstromaggregate. Weil die Anlage sensibel auf Spannungsschwankungen reagiert, wird mit dem Strom aus dem Netz zunächst ein Schwungrad angetrieben, dass dann wieder Strom für die Anlage produziert.

Doch als die Erdfunkstelle gebaut wurde, neigte sich die Blüte des Satellitenfunk schon ihrem Ende zu. Denn die guten alten Unterseekabel waren durch Glasfasertechnologie unschlagbar schnell geworden. Eine geplante fünfte Großantenne wurde nicht mehr gebaut, das bereits angelegte fünfte Antennenfeld nie mit Antennen bestückt.

Bereits 1996 legte die Deutsche Telekom als Nachfolger die von der Deutschen Post der DDR übernommene Erdunkstelle im brandenburgischen Neu Golm still. Es folgten Usingen und im Jahr 2000 auch Fuchsstadt. Nach den Olympischen Spielen, für deren Übertragung die Anlage noch genutzt wurde, war Schluss.

Allerdings übernahm schon 2002 der Satellitenbetreiber Intelsat die Anlage. Der neue Betreiber ließ im gleichen Jahr zwei weitere Antennen bauen. Seitdem sind regelmäßig neue Anlagen hinzu gekommen. Mit rund 30 Mitarbeitern arbeiten jetzt wieder fast so viele Menschen dort wie vor der Stilllegung.

1 Kommentar zu Von Unterfranken ins All

  1. Das Bild erinnert mich an eine Abhörstation bei uns in der Nähe von Bad Aibling. Die war früher Teil des Abhörsystems Echelon. Ich weiß garnicht, ob da heute noch was aktiv gemacht wird. Jedenfalls sehen diese riesen weißen Kugeln aus wie von einem andrem Stern 🙂

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