Kolumne

Verliert Lauingen seinen Hexentanz?

Von: Marcus Schweizer

foto-marcus-21Jedes Frühjahr am „Gumpigen Donnerstag“ (der Donnerstag vor Fasching, auch Weiberdonnerstag oder unsinniger Donnerstag genannt) findet in Lauingen an der Donau ein Spektakel der besonderen Art statt. Der Hexentanz gehört zur Tradition der Stadt und ist ein Ereignis, das über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist. So lockt es jedes Frühjahr zig-tausende Menschen in die Stadt im Landkreis Dillingen. Für einen Abend verkleiden sich die Besucher als Hexen und geben sich mit den besten Kostümen ein Stelldichein. Danach werden die Bars und Kneipen der Stadt unsicher gemacht.

Der Hexentanz in Lauingen ist gefährdet - Foto: © Uschi Bohse / PIXELIO

Der Hexentanz in Lauingen ist gefährdet – Foto: © Uschi Bohse / PIXELIO

Das eigentliche Schauspiel beim Hexentanz findet auf dem Rathausplatz statt. Auf einer Bühne ringen die Frühlingsnarren mit der Oberhexe der Winterhexen Schwertgoschin um die Herrschaft über die Jahreszeit. Ganz der Tradition nach verliert die Winterhexe beim dargestellten Tauziehen, worauf sie vom „Herr der Jahreszeiten“ verurteilt und dann verbrannt wird. Hier ist üblicherweise der Höhepunkt der Vorführung erreicht. Unter dem lauten Schreien der anwesenden Hexen und des Publikums, reitet eine Puppe in Form einer Hexe an einem Seil entlang direkt ins Feuer. Danach verteilen sich die Hexen in die Bars und Lokalitäten und machen die Nacht unsicher, bevor die Narren die Stadt übernehmen.

Veranstalter des Hexentanzes ist die Faschingsgesellschaft von Lauingen, die Laudonia. War die Veranstaltung früher auch ein Erlebnis für Kinder, die mit großen Augen am Hexentanz teilnahmen, nehmen Probleme mittlerweile überhand. Die Laudonia steht im Zwiegespräch mit der Stadt, da Beschädigungen und Verunreinigungen hohe Kosten verursachen. Auch Übergriffe und Gewalt nahmen so zu, dass die Stadt mittlerweile abgesperrt wird und die Teilnehmer kontrolliert werden, bevor sie zum Rathausplatz gehen können. Da die Tradition und die Aufführung immer ein besonderes Erlebnis waren, bleibt zu hoffen, dass sich die Situation wieder in Griff bekommen lässt. Dann werden hoffentlich auch wieder große Kinderaugen in der Nacht am gumpigen Donnerstag zu sehen sein.

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