Kolumne

Selb – das deutsche Zentrum der Porzellanindustrie

Von: Sebastian Herbst

Ja, auch in Europa, mitten in Deutschland gab es eine Kolonisation: Nur fand die hier schon im 12. Jahrhundert statt und brachte als Ergebnis Städte wie Selb hervor. Selb selbst kann zwar nur auf eine erstmalige urkundliche Erwähnung im Jahre 1281 zurückblicken, doch wird vermutet, dass es mindestens seit 1135 existiert, da seitdem ein Adelsgeschlecht mit Namen „de Selewen“ nachgewiesen werden kann, dem man eine Verbindung mit Selb zuordnet.

Ein Brunnen aus Porzellan, zu finden in der Selber Fußgängerzone – Foto: W.J. Pilsak

Es dauerte eine ganze Zeit, viele Kriege und unzählige Zerstörungen, bis sich Selb im 18. Jahrhundert als eine echte Handwerkerstadt entpuppte, mit industriellem Schwerpunkt auf dem Bergbau.

Erst in der Mitte des darauffolgenden Jahrhunderts, ab 1857, wurde Selb zur Porzellanstadt, als Lorenz Hutschenreuther die erste Porzellanfabrik errichtete. Seine Vision, Keramik industriell zu fertigen und damit für jedermann erschwinglich zu machen, trug offenbar Füchte, denn in den folgenden Jahren gründeten sich weitere 19 Porzellanfabriken, darunter bis heute bestehende, zum Beispiel Rosenthal – und das in einer Stadt mit damals nicht mal 10.000 Einwohnern!

In den 1920ern schließlich kam es, bedingt durch die Inflation, zu einer industriellen Selektion. Viele Unternehmen aus der Keramikbranche gingen Pleite oder fusionierten mit anderen, um in den wirtschaftlich schlechteren Zeiten bestehen zu können. Die Unternehmen, die die Inflation überlebten, bestehen zum großen Teil bis heute, sind treibende Kräfte in der Wirtschaft von Selb und wurden zu Weltmarken: Rosenthal, Hutschenreuther, Starck, BHS tabletop.

Hutschenreuther gründete die erste Porzellanfabrik in Selb – Foto: Doris Anthony

Natürlich ist die heute rund 16.000 Einwohner zählende, große Kreisstadt keinesfalls nur auf Wirtschaft ausgelegt, das beweist schon das zentral gelegene Rosenthal-Theater, das regelmäßig mit Aufführungen von weltbekannten Opern, Musicals und Schauspielen aufwartet.

Hinzu addieren sich einige Museen, wie zum Beispiel das Kermamikmuseum Porzellanikon Selb oder der Historische Lokschuppen sowie zahlreiche Bauwerke, die auf jeden Fall eine Besichtigung wert sind. Besonders zu nennen wäre hier die 1856 errichtete Stadtkirche St. Andreas, das Porzellangässchen, eine Straße, die mosaikartig aus 55.000 Porzellanfließen gefertigt wurde oder das im Stile des Rokoko erbaute Schloss Erkersreuth. Es gibt viel zu sehen in Selb!

1 Kommentar zu Selb – das deutsche Zentrum der Porzellanindustrie

  1. Edles Porzellan ist echt was Tolles. Meine Mama hat noch ganz teures Porzellan von ihrer Mutter von Eschenbach – Bavaria Germany mit Goldrand vererbt bekommen. Das wird bei uns aber nur zu besonderen Anlässen benutzt (Geburtstag, Weihnachten usw.)

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