Kolumne

Schwabach – Bayerns kleinste kreisfreie Stadt

Von: Tilman Weigel

Auf der Übersichtskarte der bayerischen Kreise und kreisfreien Städte verschwindet die Stadt geradezu neben dem großen Nachbarn Nürnberg. Man muss schon sehr genau hinsehen um zu entdecken, dass zwischen der Frankenmetropole und dem Landkreis Roth noch eine Stadt liegt: Schwabach. In der Tat ist sie mit rund 39.000 Einwohnern die kleinste kreisfreie Stadt Bayerns und die zweitkleinste in Deutschland.

Stadtkirche und Rathaus mit Golddach (kleines Dach in der linken Bildhälfte) – Foto: Waggerla, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Die Lage vor den Toren Nürnbergs hat die Stadt seit ihrer Gründung geprägt. Ihr verdankt Schwabach sein wahrscheinlich bekanntestes Gewerbe: Die Herstellung von Blattgold. Die Goldschläger sollen aus der damaligen Freien Reichsstadt in die Nachbarstadt übergesiedelt sein. Zwischenzeitlich war die Blattgoldherstellung der wichtigste Industriezweig der Stadt. Noch heute wirbt die Stadt mit dem Titel „Goldschlägerstadt“. Im Buckingham Palace und für die Berliner Siegessäule wurde unter anderem Blattgold aus Schwabach verwendet. Auch die Schwabacher selbst leisteten sich auf ihrem Rathaus zwei vergoldete Dächlein.

Heute gibt es in der Stadt noch fünf Betriebe, die aus dünn gewalztem Gold Blattgold schlagen. Außer in der Architektur wird es auch in der Medizin eingesetzt und zuletzt häufig in der Gastronomie. Wirte garnieren ihre Speisen mit Blattgold und inspiriert durch das Danziger Goldwasser gibt es ein Schwabacher Goldwasser, einen Kräuterlikör mit eingelegtem Blattgold.

Allgegenwärtig: die Goldschläger – Foto: Frank C. Müller, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Prägend für die Stadt waren daneben vor allem Flüchtlinge, allen voran die Hugenotten. Zunächst kamen Glaubensflüchtlinge aus der Oberpfalz und Österreich, die sich in Schwabach und dessen Umland ansiedelten. Vor allem in Kärtnern, das zeitweise zu 90 Prozent evangelisch gewesen war, schlug die Gegenreformation mit Folter, Verhaftungen und Deportationen unbarmherzig zu. Bis heute weitaus gegenwärtiger sind die Hugenotten, Protestanten die nach der Aufhebung des Toleranzedikts aus Frankreich flohen. Geblieben sind neben einigen französischen Nachnamen im Schwabacher Telefonbuch vor allem die sogenannte Franzosenkirche sowie mehrere Gewerbezweige wie die Nadlerei, die von den französischen Flüchtlingen mitgebracht wurde. Anders als in Erlangen wurde für die Hugenotten kein neuer Stadtteil gebaut. Sie siedelten direkt in der Stadt.

Die hat den Zweiten Weltkrieg trotz Bombenangriffen gut überstanden. Bereits in den 1970er Jahren wurde die Altstadt saniert. Von der Denkmalschutzorganisation Europa Nostra wurde der Stadt dafür 1979 der Europa-Nostra-Preis verliehen. Mit ihren vielen Fachwerkhäusern wirkt die Altstadt eher kleinstädtisch. Auch sonst wirkt der Ort beschaulicher als Städte ähnlicher Größe wie Coburg, Ansbach oder Memmingen. Vielleicht, weil durch die Nähe zu Nürnberg die Funktion als Zentralort fehlt.

Mit Nürnberg, Fürth und Erlangen arbeiten die Schwabacher regelmäßig zusammen. Beispielsweise richten sie gemeinsam das Kulturfestival “Made in…” und auch das Figurenthater-Festival aus. Für die vier kreisfreien Städte im Großraum Nürnberg liest man nach den Anfangsbuchstaben der Orte mitunter eine für Franken passende Abkürzung: SENF.

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