Kolumne

Rothenburg ob der Tauber – Mittelalter-Romantik in Mittelfranken

Von: Eranie Funderburk

Die Stadt Rothenburg ob der Tauber ist nicht nur bekannt als Weihnachtsstadt, sondern auch als eine der romantischsten Städte Deutschlands. Sie befindet sich im Landkreis von Ansbach in Mittelfranken, am Rande des Naturparks Frankenhöhe, direkt am Fluss Tauber. Die ehemalige Reichsstadt und jetzige große Kreisstadt besitzt eine wunderschöne, gut erhaltene Altstadt und eine Stadtmauer.

Entstehung und Entwicklung der Stadt Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber vom Burgtor aus – Foto: Berthold Werner

Etwa 970 n. Chr. wurde im heutigen Stadtteil Detwang eine Pfarrei errichtet. Gegründet würde die kirchliche Einrichtung vom ostfränkischen Adligen Reiniger. Später folgte eine Grafenburg, die sich oberhalb des Flusses Tauber befindet. 1108 starb der letzte Nachfahre der Familie Reiniger und das Gebäude wurde von der Adelsfamilie von Comburg-Rothenburg übernommen. In dieser Zeit entstanden auch der Name der Stadt und der Namenszusatz „ob der Tauber“. Am 15. Mai 1274 wurde Rothenburg ob der Tauber zur Reichsstadt erhoben.

Das Klingentor – Foto: Janericloebe

Viele Jahre später, im Jahre 1631 wurde die Stadt vor den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges bewahrt. Grund war der mutige Schritt des damaligen Bürgermeisters Georg Nusch. Der katholische Johann t’Serclaes Graf von Tilly, einer der bekanntesten Feldherren des Dreißigjährigen Krieges, stürmte am 30. Oktober mit etwa 60.000 Soldaten die protestantische Stadt Rothenburg ob der Tauber. Der Bürgermeister und die Ratsherren wehrten sich nicht, sondern reichten ihnen mehrere Schoppen Wein als Willkommenstrunk. Der Graf von Tilly war amüsiert und bot den Ratsherren einen Deal an. Wenn einer der Ratsherren es schaffen würde, einen Pokal mit dem Inhalt von 3,25 Liter Wein mit einem Zug zu leeren, dann würde der Feldherr die Stadt vor einer Zerstörung verschonen. Georg Nusch nahm die Herausforderung an und leerte den Pokal auf einen Zug und so wurde die Stadt gerettet. Aus dieser wahren Begebenheit entstand das Stück „Der Meistertrunk“, der jedes Jahr zur Erinnerung aufgeführt wird.

Das wohl bekannteste Motiv Rothenburgs: das Plönlein – Foto: Berthold Werner

1803 wurde Rothenburg ob der Tauber ein Teil des Freistaates Bayern. Um die Jahrhundertwende entwickelte sich die Stadt zu einem beliebten Ausflugsziel und dieser Erfolg hielt bis zum Ersten Weltkriegs an. In der Zeit der Weimarer Republik galt Rothenburg ob der Tauber als Hochburg der NSDAP. Im Zweiten Weltkrieg wurde der neuere Ostteil der Altstadt beschädigt, bzw. zerstört. Nach Kriegsende bauten die Bewohner die zerstörten Gebäude wieder auf. 1972 wurde die Stadt im Zuge der bayerischen Gebietsreform dem Landkreis Ansbach zugeordnet. Bis heute ist Rothenburg ob der Tauber eines der beliebtesten Touristenziele Bayerns. Die gute Lage wird auch zum Anbau von Wein genutzt. Besonders beliebt sind nicht nur die mittelalterlichen Gebäude, das Weihnachtsmuseum und der Rundgang mit dem Nachtwächter, sondern auch das große Taubertal-Festival sowie viele andere Veranstaltungen.

Sightseeing in Rothenburg ob der Tauber

Ebenfalls sehenswert: das Hegereiterhaus – Foto: Janericloebe

Nicht nur nach München zieht es jährlich viele Touristen aus Japan und dem Rest der Welt, sondern auch nach Rothenburg ob der Tauber. Die Altstadt ist sehr gut erhalten und jeder Besucher kann sich sofort in die Zeit des Mittelalters mit seinen Fachwerkgebäuden, Türmchen und den vielen verschachtelten Gassen hineinversetzen. Besonders schön sind die verschiedenen Stadttore, das weltberühmte Plönlein mit dem Sieberstor, die teilweise begehbare Stadtmauer, die Doppelbrücke und das Topplerschlösschen, die direkt an der Tauber zu finden sind, die Spitalbastei, das Hegereiterhaus, das Baumeisterhaus, die Wolfgangskirche am Klingentor, die Blasiuskapelle, auch bekannt als Burgpalas, und die St. Jakobs Kirche mit dem bekanntesten Werk des Bildhauers Tilman Riemenschneider – dem Heilig-Blut-Altar, sowie viele weitere historische Gebäude und Handwerkskünste.

Bei schlechtem Wetter kann man zudem das Kriminalmuseum, das Reichstadtmuseum, das Puppen- und Spielzeugmuseum oder das Historiengebäude im Staatsverlies besuchen. Auch lohnt es sich die Aufführung des Meistertrunks, die Reichsstadttage und das Taubertal-Festival anzusehen. Natürlich ist das nicht alles, was die Stadt Rothenburg ob der Tauber zu bieten hat. Man sollte auf jeden Fall mehr als nur einen Tag in der Stadt verweilen. Ein Campingplatz, zwei Reisemobil-Stellplätze und viele verschiedene Hotels und Gasthöfe haben immer ein Plätzchen bzw. ein Bett frei.

1 Kommentar zu Rothenburg ob der Tauber – Mittelalter-Romantik in Mittelfranken

  1. Wir sind Französisch und wir hatten ein wunderbares Wochenende in dieser Stadt.

    http://blogoth67.wordpress.com/2012/04/18/eine-stadt-so-romantisch/

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