Kolumne

Richtig hoch sind nur die Berge – Hochhäuser in Bayern

Von: Tilman Weigel

Die Aufbruchstimmung in den 1920er Jahren war riesig. Alles sollte anders werden, auch im Bauen. Der Regensburger Architekt Hermann Sörgel verfolgte ab 1928 sogar das Projekt Atlantropa, dass die Trockenlegung weiter Teile des Mittelmeers durch einen riesigen Staudamm bei Gibraltar und die Verbindung von Europa und Asien zu einem Kontinent vorsah.

Das Plärrerhochhaus in Nürnberg – Foto: Andreas Praefcke

Dagegen waren seine Pläne für München fast bescheiden. Zusammen mit Otho Orlando Kurz plante er einen Hochhausring für die bayerische Landeshauptstadt. Gebaut wurde davon nur das Technische Rathaus. Der Stadtrat hatte 1921 den Bau von Höchhäusern zwar grundsätzlich erlaubt, aber die Hochhausbegeisterung der Architekten und Stadtplaner teilte der Großteil der Bevölkerung nur zum Teil.

In Bayerns zweitgrößter Stadt Nürnberg war die Situation ähnlich. Das Gebäude der Fränkischen Tagespost mit seinen sechs Obergeschossen würde heute kaum noch jemand als Hochhaus bezeichnen. Bahnfahrer kennen es als SPD-Haus nördlich des Hauptbahnhofs. Ebenso das Postgebäude am Bahnhof, das zwar auch nicht deutlich höher, aber deutlich wuchtiger ist. Es war eigentlich als modernes Hochhaus geplant, doch dann kamen die Nazis an die Macht und verpassten dem Gebäude ein Satteldach.

Der Hotelturm in Augsburg, auch Maiskolben genannt – Foto: Johannes Aubele

Ohnehin mochten es die Nazis zwar gigantisch, aber mit den modernen Hochhäusern konnten sie wenig anfangen. Auch nach dem Krieg setzen Bayerns Städte überwiegend auf Bewährtes. Die alten Strukturen der Stadt wurden in den kriegszerstörten Städten weitgehend wieder hergestellt. München und Nürnberg verzichteten beispielsweise auf den Bau von Hochhäusern im Gebiet der Altstadt. Lediglich an deren Rand entstanden früh höhere Gebäude wie das Plärrer-Hochhaus in Nürnberg.

Mit zwei 17-geschossigen Hochhäusern der Siemens-Werkswohnungsanlage in Obersendling entstanden in den 1950er Jahren aber auch die ersten Wohnhochhäuser Süddeutschlands in München. Ab den 1960er Jahren entstanden in fast allen großen bayerischen Städten Trabantensiedlungen mit Hochhäusern, egal ob das Herrenbachviertel in Augsburg, die Siedlung Heuchelhof in Würzburg oder das Piusviertel in Ingolstadt. Selbst Mittelstädte wie Schwabach legten sich Siedlungen mit 15- und mehr -stöckigen Wohnhochhäusern zu.

Hochhaus Uptown in München, das höchste Haus der Landeshauptstadt

Am höchsten bauten allerdings die Unternehmen. Siemens, BMW und die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank hatten  schon in den 1960 und 1970er Jahren markante Gebäude errichten lassen. In Augsburg entstand mit dem Hotelturm das lange Zeit höchste Haus Bayern – begleitet übrigens von Protesten der Parkschützer. Doch in den 1980er Jahren kamen nicht nur Trabentenstädte aus der Mode. Auch Behörden und Unternehmen stellten für fast 20 Jahre den Hochhausbau weitgehend ein.

Erst mit dem Jahrtausendwechsel kam eine wahre Flut von mehrgeschossigen Bauten in Bayern. In Nürnberg wurde im Jahr 2000 der Business Tower der Nürnberger Versicherung mit 34 Stockwerken und 134 Meter Höhe fertig gestellt. Doch vor allem in München enstanden zahlreiche Riesen. Das Hochhaus Uptown mit 38 Etagen und 146 Meter löste schon 2004 den Business Tower als höchstes Haus Bayerns ab. Im gleichen Jahr entstanden in Freimann die Highligth-Tower. Auch das Fraunhofer-Institut, der ADAC und die Süddeutsche Zeitung bauten in die Höhe.

Zwar begrenzt in München ein Bürgerbegehren die Höhe von Hochhäusern auch außerhalb des Mittleren Rings auf 100 Meter, doch trotzdem ist die bayerische Landeshauptstadt heute nach Frankfurt, Berlin und Hamburg die Stadt mit den meisten Hochhäusern in Deutschland.

1 Kommentar zu Richtig hoch sind nur die Berge – Hochhäuser in Bayern

  1. Architektur ist die Vernetzung von MENSCH, ORT, TECHNOLOGIE und PHILOSOPHIE

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